Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 13 — werden. Die treibende Kraft ist die Idee, die schaffende Kraft aber liegt in der Organisation! (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) Auch unsere ungünstige Finanzlage ist auf Schäden in unserer Organisation, denen wir abhelfen müssen, zurückzuführen. In unseren Reihen fehlt es durchaus nicht an Opferwilligkeit. im Gegenteil, bei uns herrscht eine Opferfreudigkeit, wie wir sie kaum bei einer anderen Bewegung finden. Nur der Plan- und Ziellosigkeit und der Unregelmäßigkeit in der Eintreibung der Beiträge und Spenden ist die Schuld an den ungünstigen Ergebnissen für die zentrale Organisation beizumessen. Auch diesem Uebelstand ist durch ein gut gefügtes, ein zu straffer Disziplin zwingendes Statut wenigstens teilweise abzuhelfen. Sie werden daher diesem Punkte der Tagesordnung Ihre ganz besondere Aufmerksamkeit widmen müssen. Um unser Budget auf eine gesunde, feste Grundlage zu stellen, hat die Leitung eine Besteuerung unserer Finanzinstitutionen dem vorigen Kongresse vorgeschlagen. Dieser Vorschlag hat aber die Zustimmung des Kongresses nicht gefunden, und es wird daher jetzt unsere Aufgabe sein müssen, neue Einnahmequellen, sei es durch Erhöhung des Schekels oder durch Einführung sonstiger Beiträge, zu schaffen. Zum ersten Male wird uns auf diesem Kongresse die Emigrationsfrage beschäftigen. Die Regelung der Emigration, so eminent wichtig sie auch ist, gehört nicht zu unseren direkten Aufgaben, und obgleich wir uns hüten müssen, unsere Kräfte, die unserem eigenen Ziele gewidmet bleiben müssen, zu zersplittern, haben wir dennoch nie aufgehört, diesem überaus wichtigen Problem unsere ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht nur, daß an allen Orten, wo die Auswanderung organisiert ist, eine außerordentlich große Anzahl Zionisten die anerkannt besten Dienste leisten, auch direkt haben wir uns schon mit diesem Problem beschäftigt. Ich erinnere nur an die Brüsseler Konferenz, die wir im Januar 1906 nach den fürchterlichen Pogromen zur Regelung der jüdischen Emigration einberufen haben. Unsere Bemühungen scheiterten damals hauptsächlich an dem Widerstande der Alliance Israelite Universelle und der Jewish Colonization Association, die durch die Personalunion ihres Vorstandes mit der Alliance eng liiert ist. Wir haben damals in dem Glauben gelebt, daß die Alliance, deren Devise lautet: „Kol Jisrael arebim seh baseh", „Alle Juden sind einer für den andern verantwortlich", selbst in erster Linie soviel Verantwortungsgefühl haben würde, daß sie in jener Schreckenszeit, in der Hunderttausende unserer russischen Brüder zum Wanderstabe greifen mußten, unsere und anderer großen jüdischen Organisationen Mitarbeit bei der Brüsseler Konferenz nicht zurückweisen würde. Wir haben uns damals getäuscht, wie auch vor kurzer Zeit, als wir uns an die Alliance mit der Bitte gewandt haben, sie möchte uns helfen, den von einzelnen Juden in der