Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 478 (sequence 478)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 478 — angenommen wird, ein Gegner der Föderationsidee bin. Herr Dr. Rosenfeld aus Lemberg scheint das unterstellt zu haben, indem er sich über die Einschränkung der Föderationsidee durch das neue Statut mit bitterer Ironie beklagt. Im Gegenteil wünsche ich den Föderationen die freieste Entwicklung in unserer Bewegung, weil ich ein Freund neuer Ideen überhaupt bin, und weil ich die Ansicht vertrete, daß man jeglicher Neugruppierung auf Grund eines lebenskräftigen Prinzips und neuen Idee die Entwicklungsmögliehkeit innerhalb unserer Bewegung auf der breitesten Grundlage eröffnen soll. Ich halte aber die gegenwärtigen Bestimmungen über die Föderationen nicht für geeignet, diesen Zweck zu erfüllen. Dadurch, daß die Föderationen in eine Konkurrenz mit der Landesorganisation treten, wird die Notwendigkeit geschaffen, daß die Landesorganisationen die Föderationen, die sich in ihrem Lande bilden, möglichst einzuschränken und in der Entwicklung zu hindern suchen. Dies ist ein großer Ubelstand bei nach gleichen Zielen strebenden < >rganisationen innerhalb der Bewegung. Dadurch, daß die Anerkennung der Föderation an eine gewisse Mindestzahl von Schekelzahlern geknüpft ist, ist es für die Anhänger einer bestimmten Richtung außerordentlich schwer, es überhaupt bis zur Föderationsbildung zu bringen, und wenn die Föderationsbildung erfolgt ist, so besteht die Gefahr, daß durch Bekämpfung seitens der einzelnen Landesorganisationen die Sehekelzahl der Föderation sinkt und dadurch die Föderation wieder aus der Reihe der zionistischen Organisationen gestriehen wird. Das bedingt eine Unsicherheit in der Existenz der Föderationen, welche dem Interesse der Föderation entschieden widerspricht. Es wundert mich, daß von den Anhängern der verschiedenen Föderationen, welche den neuen Statutentwurf geprüft haben, dieser Gesichtspunkt nicht mit genügender Deutlichkeit erörtert worden ist, sonst wäre es nicht möglich, daß z. B. die Poale Zion in Wien gegen diese Bestimmungen, welche ihnen eine neue Lebens- und Entwicklungsaussicht schaffen, polemisiert haben. An Stelle der Föderation treten nach dem neuen Statutentwurf Vereine und Yereinsverbände. Ich habe zwar für diese Vereinsbildung ein Minimum von Mitgliedern in Höhe von 50 Personen vorgesehen, doch lasse ich diese Einrichtung gerne fallen. Ich meine aber, daß es doch gewiß leichter sein muß, an vielen Orten Vereine mit 50 Mitgliedern zu bilden, als über die ganze Welt zerstreut eine Gemeinschaft von 3000 Schekelzahlern. Was ich von jedem Zionisten verlange, einerlei, ob er einer bestimmten Föderation angehören will oder einem Vereine irgendwelcher Parteirichtung, ist. daß er nicht nur seine Zugehörigkeit zur zionistischen Gemeinschaft durch Zahlung des Schekels betätigt, sondern daß er sich in die zionistische Organisation durch Leistung eines Beitrages für die Landesorganisation einreiht. Durch diese Einrichtung wird die Konkurrenz zwischen der Landesorganisation und den Föderationen beseitigt. Im Gegenteil haben nach dieser Neueinrichtung die Landesorganisationen das höchste Interesse daran, daß sich ein möglichst vielgestaltiges reiches Leben auf der Basis der Vereins-und Föderationsbildung im Lande entwickelt, da alle diese Vereine und Verein sverb an de durch Werbung neuer Mitglieder die Mittel der Landesorganisationen und dadurch die Möglichkeit der Betätigung derselben stärken und enveitern müssen. Durch das Verlangen, daß jeder Zionist den Landesbeitrag entrichten muß, will ich auch unserer Finanznot steuern. Ich verstehe nicht, daß gerade solche Genossen diesen Vorschlag bekämpfen, die für die Erhöhung des Schekels eintreten. Es ist doch organisatorisch ein höheres Prinzip, wenn sämtliche Gesinnungsgenossen auch innerhalb der Lanclesorganisation vereinigt sind, und diese durch die hierdurch gewährten Mittel in den Stand gesetzt wird, den Schekel ohne Abzug abzuliefern, als wenn man den Schekel erhöht, von dem dann ein Teil in der Kasse der Landesorganisation hängen bleiben muß, weil diese sonst an Mangel von Mitteln zugrunde geht. Unsere Gesamtorganisation hat aber das allergrößte Interesse daran, daß die Landesorgani-