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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 387

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 387 (sequence 387)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 387 — Tausend Zusammenhänge zwischen ottomanischem Staatsinteresse und Zionismus sind logisch tief begründet, müssen aber zum Ausdruck kommen und zur Geltung gebracht werden. Das ist der Charakter und der Inhalt der jetzt beginnenden Politik. Wenn man die politische Situation mit klarem Auge überschaut, so gelangt man leicht zur Überzeugung, daß die Neugestaltung der türkischen Verhältnisse dem Zionismus moralisch schon jetzt riesige Erfolge gebracht hat. Die Erfolge zerfallen in vier Kategorien: 1. Das kräftigste und überzeugendste Argument, das gegen den Zionismus immer ins Feld geführt worden ist, war die früher nicht unbegründete Behauptung, die Türkei sei als despotischer und rückständiger Staat kein geeigneter Schauplatz, auf dem eine ersprießliche Kolonisation gedeihen kann. Der Zug der Zivilisation, hieß es, geht nicht vom Westen nach dein Osten, sondern umgekehrt. Nun haben die neuen Ereignisse diese Theorie auf den Kopf gestellt. Die großen Ideen der Kultur und der Zivilisation haben im Osten ihren sieghaften Einzug gehalten. Die Türkei ist ein moderner Staat geworden. Die Nützlichkeit einer Auswanderung aus den rückständigen halbdespotischen Ländern nach der Türkei ist so einleuchtend, daß auch die heftigsten Antizionisten sich der Richtigkeit dieser Idee nicht verschließen können. Der Zionismus hat deshalb schon Sympathien gewonnen und wird immer mehr Sympathien gewinnen in Kreisen, die ihm früher ganz unzugänglich waren. 2. Die politische Arbeit mit einem despotischen Staat, wo alles von Launen und Willkür abhängig ist, war außerordentlich schwierig. Wenn wir auch früher von der Hoffnung beseelt waren, daß wir unser Ziel erreichen werden, so lag das in der Macht der gerechten Überzeugung, daß eine gute und nützliche Idee sich überall durchringen müsse. Aber um wieviel freier und sicherer ist die Arbeit mit einem modernen zivilisierten Staat, der einen fruchtbaren Boden bietet für kulturelle und humane Ideen! In einem solchen Staat brauchen wir nicht auf günstige Launen zu rechnen, sondern auf die Macht der Logik, auf die staatsmännische Weisheit, auf die Notwendigkeiten der Entwicklung und auf den kulturellen Fortschritt, der unsere Bestrebungen nur begünstigen kann. 3. Die Verbreitung der Idee unter den Juden der Türkei . war früher in dem rückständigen Zustande, in dem sich die Türkei befand, ganz ausgeschlossen. Es unterliegt ja aber keinem Zweifel, daß die Juden der Türkei ein sehr wichtiger Faktor für das Gedeihen der zionistischen Bewegung sind. Erst in der neuen Türkei, unter dem Schutz der freiheitlichen Gesetze, ist es möglich geworden, eine gewisse Tätigkeit zu entwickeln und die Massen aufzuklären. Diese Aufklärung der Massen wird immer weitere Fortschritte machen, und nichts wird sie hemmen.

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