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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 386

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 386 (sequence 386)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 386 — es erkennen, daß sich die Überzeugung immer mehr Bahn bricht, daß der Anbruch besserer Zeiten in der Türkei für uns eine epochemachende Bedeutung habe. Praktisches und Greifbares konnte noch nicht herauskommen, weil wir doch erst an der Schwelle dieses neuen Stadiums stehen und weil der Erneuerungsprozeß in der Türkei erst jetzt vor sich geht. Aber unsere Organisation -ist in die neue Tätigkeit eingetreten. Eine große Aufklärungsarbeit wurde eingeleitet. Es entmutigt uns nicht im geringsten, es reizt nur unsere Energie und erhöht die Kraft unserer Initiative, daß wir auf Hindernisse, insbesondere seitens jüdischer Gegner, gestoßen sind. Unsere Gegnerschaft ließ ihrem maßlosen Zionistenhaß die Zügel schießen. Exaltierte Hetzer haben die Legende von den Losreißungsbestrebungen der Zionisten vom ottomanischen Staat in die Welt gesetzt. Als dieses Phantasiegebilde unserseits durch aufklärende Aufsätze zerstört worden ist, begannen sie Astrologie zu treiben und die Zukunft zu prophezeien, daß die Zionisten zwar nicht jetzt, aber in der Zukunft geneigt sein könnten, dem türkischen Staat Verlegenheiten zu bereiten. Eine Kette von Schlußfolgerungen aus erdachten Prämissen zog sich durch all diese Ausführungen und — Denunziationen. Demgegenüber ergab sich für uns die Pflicht, in einer großangelegten Aufklärungsarbeit Abwehr zu leisten. Mit Ernst und Überzeugungstreue sind wir bemüht, die Wahrheit ans Licht zu fördern. Das geschieht ohne jede Verschleierung und ohne Schwächung unseres eigenen Prinzips, in der richtigen Erkenntnis, daß die Einheit und der Fortschritt des Osmanenreiches nur gefördert werden können durch die Verwirklichung unseres Ideals. Unter Einheit verstehen wir das, was dem Staate frommt. In einem Staate, wie es die Türkei ist, die in ihrem Grenzbereiche Angehörige verschiedener Nationen zusammenfaßt, können die Ziele des Staates nicht etwa die sein, eine Nation als existenzberechtigt zu erklären und in ewigen, den innern Frieden gefährdenden Kämpfen die Vernichtung der Minderheiten zu erstreben, sondern unter Berücksichtigung der bestehenden Verhältnisse muß, allerdings nach Erfüllung gewisser, die Entwicklung des gemeinsamen Staates verbürgender Grundsätze, das Streben darauf hinausgehen, unter Wahrung der verschiedenen nationalen Eigentümlichkeiten die Gegensätze auszugleichen und Verhältnisse zu schaffen, unter denen sich die Staatsangehörigen wohl fühlen. Das ist patriotisches staatsnützliches Arbeiten. Ist das bei tatsächlich bestehenden Gegensätzen der Fall, um so mehr bei den Gegensätzen, die nur auf einer Fiktion beruhen. Denn es existieren tatsächlich keinerlei Gegensätze zwischen ottomanischem Staatsinteresse und Zionismus, wie sie zwischen ottomanischem Staatsinteresse und andern nationalen Interessen vielleicht existieren mögen.

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