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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 385

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 385 (sequence 385)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 385 — Propaganda etwas tiefer auffassen. Die Propaganda kann nicht nach einem regelmäßigen Schema angelegt werden; mannigfaltig und immer wechselnd muß die Behandlung des Themas sein, wobei die Schatzkammer jüdischen Wissens fruchtbar gemacht werden muß. Eine angestrengte apologetische Aufklärungs- und Vertiefungsarbeit soll über die ganze jüdische Diaspora in Angriff genommen werden. Eine neue literarische künstlerische Tätigkeit soll darauf hinauslaufen, den Zionismus als eine dauernde und systematische nationale Tätigkeit mit überzeugender Kraft auch auf dem Gebiete der Dichtung und der Kunst zur Geltung kommen zu lassen, das heißt: den Boden bearbeiten und eine zukunftverheißende Aussaat bereiten. Eins ist sicher: Der Orient ist erwacht! Die Zeit ist reif zur Wiederaufnahme der Kulturaufgaben sowohl als auch dazu, daß die nationalen Grundsätze nachdrücklichst Anwendung finden. 20. Die politische Lage des Zionismus — Die Befreiung der Türkei — Die Vorteile und die Vorurteile Die politische Auferstehung des Osmanenreiches ist das größte Ereignis der verflossenen Kongreßperiode. Eine neue Ära hat begonnen. In einer die kühnsten Erwartungen übertreffenden Weise ist das lange Sehnen und Ringen der Jungtürken in Erfüllung gegangen. Die Freiheitsidee, die nur einzelne Gruppen von mutvollen Kämpfern und Märtyrern wahrten, ist zur Wirklichkeit geworden. Das ottomanische Volk hat sich über Nacht in ein freies, strebendes Kulturvolk umgewandelt! Der Eindruck, den dieses welthistorische Ereignis auf unsere Partei gemacht hat, war ganz gewaltig. Neue Gesichtspunkte begannen uns vorzuschweben, obenan das neue verfassungsrechtliche Prinzip der freien Türkei, sodann das Wechselverhältnis zwischen diesem Prinzip und unsern Bestrebungen und die daraus resultierenden Maßnahmen. Es ist klar, daß die zionistische Politik in ein Stadium neuer Arbeiten und Vorbereitungen eintreten mußte. Die Verhältnisse, Bedürfnisse und Stimmungen haben sich total geändert. Das Ideal blieb dasselbe; es gewann nur an Kraft und Klarheit, an Aktualität und Frische. Wie eine Sprungfeder wirkte die türkische Freiheit auf die zionistische Initiative; unter ihrem mächtigen Ansporn entstanden verschiedene grundlegende Projekte. Wirkonnten uns nicht gegen die lebendige Entwicklung isolieren; wir wollten es auch nicht. Wir erblickten und erblicken in der Entwicklung der neuen Türkei die Parallellinie für die Entwicklung des Zionismus. Der Schwerpunkt, um den sich alle unsere Projekte kristallisiert haben, ist nunmehr die Verfassung geworden. Die Erörterungen, welche die Probleme der Politik während des letzten Jahres in unserer Öffentlichkeit gefunden haben, ließen 25

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