Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 381)
- Language
- German, English, Hebrew
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Geschichte der Nation als allgemein gültig ansammelt und festsetzt, ist auf das Gedächnis der Nation gegründet, in welcher es durch unzählige Akte des Kennens, Beobachtens, Versuchens, Urteilens als wahres Erkennen gewonnen hat. Nicht einzelne Tatsachen werden so ins Gedächtnis zurückgerufen, sondern an den Tatsachen werden Gedanken und Gedankenreihen wieder lebendig und treten in die neuangeregte Denkarbeit ein, sei es, daß diese die moderne Begriffswelt selbst wieder durcharbeitet, sei es, daß sie die Erfahrung der Zeiten fördert, welche auf Grund eines immer genauem und reicheren Kennens sich fortentwickelt. Denn nicht nur in der Vergangenheit will der Zionismus aufgehen, er will auch für alle Fragen der Gegenwart, hauptsächlich für die Fragen der Gegenwart und der Zukunft dem Volke die Augen öffnen. 17. Die Ergebnisse der belehrenden Propaganda Keine einzige Idee und keine einzige Richtung im Judentum ist imstande, in einem so hohen Grade wie der Zionismus das Bewußtsein der einzelnen Juden mit dem Gedächtnis ihrer Nationalität zu erfüllen und sie damit für den Dienst im Leben der Nation zu erziehen. Daher ist die Förderung des historischen Wissens ein anregender Faktor von unvergleichlicher Kraft. Nichts wirkt auf das jüdische Gemüt und auf den jüdischen Geist stärker, als eine gediegene historische Lektüre oder das Anhören reichhaltiger historischer Vorträge. Wirken ja die Palästinavorträge auf die allermeisten, die doch keine aktuellen Lebensbeziehungen zu Palästina haben, hauptsächlich durch die Wucht historischer Erinnerungen! Und worin besteht denn die eigentliche Macht der hebräischen Sprache und der tiefe Zusammenhang, der sie mit dem Zionismus verbindet, wenn nicht in ihrem historischen Charakter? Alles, was uns an die großen Geschichtsperioden unserer Nation bindet, bindet uns auch an Zion. Während uns die Gegenwart, die Lebensbedingungen, die verschiedenen Kulturen, die wir uns zu eigen machen, voneinander trennen, wird das Zusammengehörigkeitsgefühl nur von diesen Faktoren bestärkt und befördert. Sie sind es, die uns auf einen gemeinsamen Boden stellen, nicht nur im Zielbewußtsein, sondern auch im Streben zum Ziel. In immer weitere Kreise ist besonders im Laufe der letzten Jahre die Überzeugung gedrungen, daß, wer dieses Ziel wünscht, die notwendigen Mittel. nicht nur als eine harte Unentbehrlichkeit billigen, sondern mit der größten Freigebigkeit gewähren muß. Es ist dies ein Gebot der Selbsterhaltung. Diese Erkenntnis hat unserer zionistischen Organisation in Rußland einen Notschrei entlockt, der vor der Übertragung des;;Ha Olam" nach'Wilna in einem Aufruf dieser Organisation er-