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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 379

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 379 (sequence 379)
Language
German, English, Hebrew
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— 379 - Wie entsteht der Zionismus in Westeuropa, und wie entsteht er im Osten? Das Zustandekommen zionistischer Vereine oder mit andern Worten der zionistischen Bewegung erfolgt unter westeuropäischen Juden in dieser Weise: Einzelne Juden werden durch eine angehörte Rede, durch das Lesen eines Buches, eines Aufsatzes oder einer Reihe von Aufsätzen usw. angeregt. Sie schließen sich infolgedessen einem Verein an, bilden einen neuen Verein oder bezeigen ihre Angehörigkeit durch die Entrichtung eines Beitrages. Diese Anregung hat auch eine tiefe erziehliche Bedeutung zur Folge. Im Grunde kann der Westjude ebenso national fühlen wie der Ostjude. Aber die ganze Mehrheit ist zum Forschen und Grübeln nicht angelegt. Hier ist es hauptsächlich eine Vereinstätigkeit. Wenn von diesen Vereinen gesagt wird, daß hier nur „gearbeitet" werden müsse, so ist die Art und das Programm dieser Arbeit ganz klar. Es existiert dafür eine ausgezeichnete Vereinstechnik, die gemacht werden muß, um die Vereine zu erhalten, und lösen sich diese auf, so wrerden eben andere Vereine gegründet, und die Bewegung erhält sich. In den großen jüdischen Zentren Osteuropas war es seit jeher anders. Die Arbeit wurde nie nach der westeuropäischen Schablone gemacht, und kann am allerwenigsten jetzt nach dieser Schablone gemacht werden. Wir haben dort einerseits mit Talmudjuden im edelsten Sinne dieses Wortes, anderseits mit einer gebildeten Klasse, mit einer intelligenten, zum Teil auch verbildeten Jugend und mit denkenden Arbeitern zu tun. Abgesehen davon, daß die Arbeit infolge der äußern Umstände sich nicht so gestalten kann, wie in andern Ländern, ist dieses Material wegen der Unsicherheit seiner Lebensverhältnisse, wegen der Unbeständigkeit seiner Wohnsitze usw. nicht so lenkbar, wie etwa die Vereine unter den geordneten Verhältnissen Westeuropas. Die Aufopferungsfähigkeit kann, wenn der Geist wachgerufen wird, bis zum höchsten Grade gesteigert werden, aber er muß eben wachgerufen werden. Es besteht dort ein mächtiger Drang nach Forschung, ein analytischer, grübelnder, wissensreicher und scharfsinniger Geist, dem die Form nicht genügt, und der in das Wesen jeder Sache tief eindringt. Diese Besonderheiten müssen festgehalten werden, damit man mit deren Berücksichtigung die zionistische Arbeit in die richtigen Bahnen lenke. 16. Geschichte und jüdisches Wissen Es ergibt sich aus diesen Besonderheiten die logische Notwendigkeit einer mehr auf den Geist als auf die Form, mehr auf die Massen als auf die Vereine, mehr auf das Wesen als auf das Schema gerichteten Propaganda.

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