Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 367)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 367 — durch die Veranstaltung von Vortragsabenclen, durch eine eigens in deutscher und französischer Sprache erscheinende Zeitschrift nicht nur sämtliche jüdischen Zwecke zu fördern, sondern auch das national-jüdische Gefühl und die Liebe zur Nationalsprache zu stärken und lebendig zu erhalten. In Italien hat sich der Zionismus wacker erhalten. Die an Zahl so geringe Jndenschaft Italiens unterhält eine zionistische Presse, die im Verhältnis zur Anzahl der Juden und zu den kleinen Zionistengruppen ganz groß ist. Es herrscht dort auch eine Kulturströmung, die von zahlreichen zionistischen Journalisten und Schriftstellern gefördert wird. 9. Das amerikanische Judentum — Die religiösen Parteien — Die Reform — Unsere Kulturtätigkeit — Die proletarischen Richtungen — Kanada — Argentinien — Einige Worte über Südafrika Ein spontanes Hervortreten eines tiefempfundenen Bedürfnisses nach Verinnerlichung des Zionismus konnte in den verschiedensten Formen wahrgenommen werden. Wie überall, so ist auch der Zionismus im großen amerikanischen Judentum ein kleiner, aber beständiger lebenspendender Strom. In dem großen Werden bietet sich dem Auge des oberflächlichen Beobachters ein brodelndes Chaos dar, voll wirrer Erscheinungen, die der Gestaltung bedürfen, dem Geiste des Denkers hingegen — ein gewaltiges Element, reich an Anlagen, mit großen Kräften ausgerüstet, trotz des scheinbaren Materialismus im Grunde von den alten historischen Idealen beseelt, das erst in der Organisierung begriffen ist. Von Zeit zu Zeit tauchen auch dort mit aller Gewalt die großen prinzipiellen Fragen auf, die das moderne Judentum durchwühlen, und es ist mit Anerkennung zu verzeichnen, daß unsere Gesinnungsgenossen, besonders ihre geistigen Führer, jede Gelegenheit wahrnehmen, um ihren Standpunkt in dieser Beziehung zu betonen und dem Bewußtsein der jüdischen Gesamtheit näher zu bringen. Die Gegensätze kamen im Laufe der letzten Jahre sehr schroff zur Geltung, und vor allem war es unter den schon früher ansässigen Juden der religiöse Parteikampf, der in Erscheinung trat. Die Volksverleugnung; die sich in schamloser Kühnheit immer mehr in die Öffentlichkeit wagte, gab anderseits Impulse und Anregungen für eine Abwehr. Die Art, wie die radikale Religionsreform dort sich zu organisieren suchte, wTar nur geeignet, der nationalen Idee zu nützen. Es ist klar, daß die Reform aller Richtungen auf dem Aussterbeetat steht, wenn sie nicht bald die Kraft gewinnt, sich aus der Versumpfung der Assimilation zu befreien, in die sie hineingeraten ist. Es war offenbar ein System des Selbstmordes, wenn die Reform im Laufe der letzten Jahre fortfuhr, den Gegensatz