Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 366)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 366 — Auch in Holland, wo der Zionismus in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat, konnte sich der Zionismus nicht auf der Linie der kleinen technischen Arbeit erhalten. Er mußte das Gebiet, der Ideen beschreiten und eine geistige Arbeit zur Geltung bringen. Unmittelbar nach dem Kongreß entspann sich ein Kampf zwischen Zionisten und jenem Teil der Orthodoxie, der die merkwürdige Ansicht vertritt, es sei orthodox, dem Zionismus gegenüber eine feindliche Stellang einzunehmen. Diese Gegnerschaft mußte mit ihren eignen Waffen, d. h. mit Argumenten aus der Geschichte und der Religion des Judentums bekämpft werden. Es machte sich auch eine geistige Bewegung unter der zionistischen Universitätsjugend bemerkbar, die in der Herausgabe eines zionistischen Jahrbuchs ihren Ausdruck fand: In Frankreich^ wo bis jetzt der Zionismus eine sehr beschränkte Ausbreitung fand, bildet die Tätigkeit der „Universite Populaire", die der zionistischen Initiative und hingebungsvoller Arbeit ihre Existenz verdankt, eine der nutzreichsten Anstalten für die jüdische Masse. Die Gewinnung der jüdischen Masse, die sich in Paris konzentriert, für den Zionismus hat im Laufe der letzten Jahre keine Fortschritte gemacht. Die Lage der Einwanderer in Paris ist zu prekär, sie sind örtlich zu sehr zerstreut, ihre Verhältnisse sind zu wenig geordnet, und sie gehen zu sehr im schweren Kampf ums Dasein im fremden Milieu auf, als daß es leicht wäre, irgendwelche ideellen Bestrebungen unter ihnen zu fördern. Die jüdische studierende Jugend aus den osteuropäischen Ländern steht noch zu sehr unter dem Einfluß der verschiedenartigsten sozialen, kosmopolitischen und fremdnationalen Strömungen, als daß sie, mit wenigen Ausnahmen, für den Zionismus zugänglich gemacht werden könnte. Manche Kreise finden den Zionismus schon abgeblaßt und für ihre Effekthascherei nicht modern genug. Andere hatten noch nie Gelegenheit, ihre eigene Volksbewegung zu beobachten und in sich zu erleben. Es ist aber dies nur eine Frage der Zeit, denn die jüdische Jugend muß zu ihrem Volke zurückkehren, sofern sie uns überhaupt nicht verloren gehen wird. Der eifrige und tüchtige kleine Zionistenkreis in Paris hat es bis jetzt noch nicht vermocht, die „autochthonen" französischen Juden zu belehren. Das französisch-jüdische Paris ist die Hochburg des Indifferentismus und jener großen Institutionen, die in ihrer großherrlichen Unnahbarkeit noch lange Zeit brauchen, bis sie sich über ihren jetzigen Antagonismus hinweg zum Zionismus durchringen werden. Einen kerngesunden Zionismus hat Belgien. Die außerordentlich regsame Ortsgruppe Antwerpens, an deren Spitze energische Leute von hohem Idealismus und praktischem Sinn stehen, bemühte sich, durch die Förderung der Geselligkeit,