Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 364)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3394-3479535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 364 — muß ihm die Nahrung liefern für seine jüdische Seele, die Nahrung, die er in andern Theorien und Bestrebungen nicht findet. Die Studenten haben auch ihr zionistisches Glaubensbekenntnis in einer Broschüre dargelegt, die von ihrem tiefen Denken ein beredtes Zeugnis ablegt. Die Bedeutung dieser Bewegung wurde auch von unsern Gegnern erkannt und hat sie zu einer scharfen Stellungnahme gegen das Prinzip der jüdischen Nationalität veranlaßt. Daraus entspann sich eine lange Polemik in der jüdisch-englischen Presse, in der sämtliche Argumente für und gegen den Zionismus zum Ausdruck gelangt sind. Es ist selbstverständlich, daß das Auftreten der Gegner nur geeignet ist, den überzeugten Zionisten eine neue Anregung für eine Betonung ihres eignen Standpunktes zu geben ■und sie zu einer energischeren Aktion anzuspornen. 7. Weltanschauungsfragen — Ein Hebräischer Kongreß in Manchester — Die englisch-jüdischen Literaturvereine Noch eine Lehre ergab sich aus der um und in dem Zionismus im Laufe der letzten zwei Jahre geführten. Polemik. Es zeigte sich nämlich, daß die Fragen, welche das jüdische Gemüt bewegen und die öffentliche Meinung interessieren, nicht die Fragen sekundärer oder tertiärer Natur sind, wie z. B. die Einrichtung dieses oder jenes Vereins, die Statuten dieser oder jener Institution, sondern die Welt ans chauungs fragen, auf denen der ganze Zionismus aufgebaut ist, und die den wirklichen Differenzpunkt zwischen Zionisten und Antizionisten bezeichnen. Und haben unsere Gesinnungsgenossen hier und da mit großem Erfolg und Geschicklichkeit, mit Takt und Feingefühl ihren Kampf ausgefochten, so durften wir noch nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern wir mußten uns dessen bewußt sein, daß noch neue und viel schwerere Kämpfe im Judentum selbst unserer harren, und daß wir für diese Kämpfe die Waffen vorzubereiten hatten. Es war klar, daß die Waffen in diesem Kampfe nur geistige Waffen sein können. Die Vorbereitung des geistigen Rüstzeugs müßte daher die wichtigste Aufgabe unserer Partei sein. Stillstand bedeutet Rückgang. Das Wenige, was wir in dieser Beziehung besaßen, war bei weitem nicht hinreichend. Wenn von Versammlungen und Veranstaltungen national-zionistischen Charakters gesprochen wird, die doch die Lebensnerven unserer Bewegung darstellen, ohne die unsere Bewegung überhaupt gar nicht denkbar ist, so müßte man auch dafür sorgen, daß für diese Versammlungen und Veranstaltungen immer neuer und frischer Stoff vorhanden sei, der sie auszufüllen und zu beleben vermag. Dieser Stoff kann nur von einer entsprechenden Literatur, von einer entsprechenden Presse und such von der jüdischen Kunst geliefert werden. Die literarisch-