Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 360

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 360 (sequence 360)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3390-3479531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 360 — verschließen Verständige allmählich das Ohr. Für uns liegt eigentlich kein Anlaß vor, ängstlich nach den Meinungsäußerungen anderer zu lauschen. Weder diese noch jene fremde Meinung ist für uns ein Tribunal, dem wir uns unterzuordnen hätten. Wir sind uns selber genug und entscheiden über unser eigenes Handeln. Aber der Frage der „Staatsgefährlichkeit" mußten unsere Gesinnungsgenossen doch näher treten, und da zerfloß dieses Phantom in ein Nichts. Es ist daher zu erwähnen, daß die Vorstellungen, die von der zionistischen Zentralleitung aus bei der ungarischen Regierung gemacht worden sind, dazu beigetragen haben, die Wahrheit ans Licht zu fördern. Die parlamentarische Debatte ist der verdienten Lächerlichkeit anheimgefallen. Was sie ergeben hat, war nur die vollständige Loyalität unserer Bestrebungen. Fester als je wurzelt jetzt der Zionismus in der ungarischen Judenheit. Und das muß auch vom allgemein nationalen Standpunkt als ein großer moralischer Vorteil bezeichnet werden. Denn die Judenschaft Ungarns war die isolierteste der Welt. Hier sehen wir eben die Macht des zionistischen Gedankens, wie er jeden engherzigen Partikularismus zu überwinden vermag. 5. Die Schulfrage — Der „Gheder" — Der hebräische Sprachunterricht — Der hebräische Weltkongreß Der Zionismus ist schon jetzt zu einer Schule des jüdischen Volkes geworden. Auch die kleine zionistische Tagewerksarbeit hat eine erziehliche Bedeutung. Oberflächliche Beobachter vermissen dabei oft das Streben, den Geist; aber um den Geist wieder zu finden, muß man abstrahieren, d. h. man muß von dem Besondern abstrahieren und das Gemeinsame behalten. Die Kleinarbeit schafft mit der Zeit Institutionen, und wenn man die Institutionen einzeln nimmt und deren Funktionen getrennt betrachtet, so ist man auch leicht geneigt, die Behauptung aufzustellen, diese haben den Geist ganz verdrängt. In Wahrheit ist es aber der Geist, der all dies schafft Wird nicht weiter gearbeitet, so geht die Frische des schaffenden Werbens verloren, und nur ein Erwerb speichert sich auf, der dann nur verwaltet wird. Selbstverständlich ersetzt diese notwendige Verwaltung noch nicht den Geist. Es entsteht dann ein Gerüste von Aktiengesellschaften mit dem Apparat der Aufsichtsräte, Generalversammlungen usw. und dem schweren Panzer der Statuten, oder ein Bureaukratismus macht sich breit. Aber wenn der Geist in der Hauptsache seine Arbeit fortsetzt, so ergibt sich aus den Verwaltungsformen auch ein großer Nutzen, und es werden immer neue und bessere geschaffen. Der Zionismus in seiner modernen Gestalt wurde durch eine entsprechende Propaganda wachgerufen. Die Stoßkraft der ersten Propaganda hat das Existierende geschaffen; die Fortsetzung dieser

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.