Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 359)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 359 — Wer beobachtet hat, wie begierig alle Vorkommnisse innerhalb unserer Partei von unsern Gegnern aufgesogen und in ihrer Presse zu Spaltungserscheinungen innerhalb des Zionismus aufgebausch! worden sind, wer den Eifer verfolgt hat, mit dem alles registriert und in zionsfeindlichem Sinne dargestellt wurde, was sich nur irgendwie in Beziehung zum Zionismus bringen ließ, dem wird zwar die Art und Weise dieses Manövers nicht besonders neu erschienen sein, sondern dem wird sich nur das eine ganz besonders aufgedrängt haben, das eine nämlich, daß unsere Gegner die Zeit gekommen erachteten, wo sie zu einem sorgfältig vorbereiteten und mit aller Kraft durchzuführenden Stoß gegen den Zionismus ausholen können. Dabei rechneten sie speziell in Ungarn mit zwei nicht zu unterschätzenden Faktoren: einmal mit dem Nationalismus der Ungarn und dann mit der Indolenz und der Abhängigkeit, aus der viele Juden sich erst zu befreien beginnen, die sie aber noch nicht ganz zu überwinden vermochten. Wer über die Spekulation in der angedeuteten Pachtung im Zweifel sein sollte, der wird am besten belehrt werden durch die im Mai vorigen Jahres unternommene Kampagne gegen den Zionismus in Ungarn. Diese Kampagne wurde von der klerikalen, offen antisemitischen oder antisemitisch angehauchten Partei gemacht, und in einer Weise, die auch die jüdische Assimilation dazu zwang, für den Zionismus eine Lanze zu brechen. Ursprünglich waren es die offiziellen Gemeindevorstände, die eine abfällige Meinung über den Zionismus abgegeben und der Regierung übermittelt hatten. Als dann aber die klerikale Partei aus der Zionistenhetze .eine Judenhetze zu machen sich anschickte, traten auch die Preßorgane der Antizionisten für den Zionismus ein. Diese Kampagne hat uns nicht geschadet. Der Zionismus fing nämlich an, aus der allgemeinen Isolierung in die Öffentlichkeit überzugehen und weitere Kreise zu ergreifen. Mit zäher Beharrlichkeit, mit Aufbietung alier Geistes¬ und Gemütskräfte streben dort unsere Gesinnungsgenossen nicht nur nach eigener Stärkung und vertiefter jüdischer Geistesbildung. Sie haben sich zu einer bleibenden Erkenntnis durchgerungen, die, einmal gewonnen, kaum wieder verloren geht und Rückfälle in die Vergangenheit ausschließt, daß der Zionismus nicht im geringsten den bürgerlichen Pflichteifer und die Staatstreue seiner Anhänger zu schwächen geeignet ist. Es scheint zuweilen, daß der Star, der Zionismus sei antistaatlich, den Leuten, die mit so großem Vorurteil an das Wesen und die Betätigung des Zionismus herantreten, nie gestochen werden, kann und daß eine gerechte und ehrliche sachliche Würdigung unserer Bestrebungen ganz ausgeschlossen sei. Das ist aber ein Irrtum. Der Zionismus macht auch unter seinen frühern Gegnern merkliche Fortschritte. Die Gesinnungstüchtigen lassen sich nicht abschrecken. Dem törichten Gerede von politischem Separatismus