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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 358

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 358 (sequence 358)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 358 — — eher duldsam und indifferent als feindlich. Der Hauptgrund liegt darin, daß die jüdischen assimilatorischen Kreise in Polen der polnischen Bevölkerung durch ihre unsinnige Verunglimpfung und Entstellung der zionistischen Idee große Vorurteile beigebracht haben; auch ist der polnische Patriotismus viel sentimentaler als der praktische böhmische Patriotismus. Unsere Brüder in Galizien haben also einen schweren Kampf zu bestehen. Sie bedienen sich hierfür ihrer eigenen sehr rührigen Presse. Im großen und ganzen ist der Zionismus in Österreich mit Rücksicht auf die großen jüdischen Massen, deren allergrößter Teil ein vollständiges Sonderleben führt, und im Hinblick auf den verschiedennational-autonomistischen Charakter des Gesamtreichs vielgestaltig und zukunftsreich. Ein mächtiges Kulturelement bildet hierbei die jüdische Studentenschaft, die schon seit vielen Jahren bahnbrechend auf dem nationalen Gebiete arbeitet. Auch die südslawischen Provinzen, Kroatien und Slawonien, arbeiten in ihren Grenzen sehr tüchtig mit Hilfe eines eigenen Preßorgans und tragen sehr viel dazu bei, jüdisches Leben zu fördern. Sie schaffen dort auch schätzenswerte Verbindungen mit den Sephardim Bosniens. 4. Der Zionismus in Ungarn — Eine parlamentarische Debatte Der Zionismus in Ungarn verdient noch ganz besonders hervorgehoben zu werden, weil dort Erscheinungen an den Tag getreten sind, die an unsere ersten Kämpfe lebhaft erinnern. Die Stellungnahme jüdischer Gemeinde vorstände hatte dazu geführt, daß auch die ungarische Regierung sich mit der Frage zu beschäftigen begann und daß von einer Maßregelung der Zionisten oder von einer Einstellung ihrer Tätigkeit durch Ausnahmegesetze ernstlich die Rede war. Seit den Tagen der Protestrabbiner hat es wohl kaum eine Zeit gegeben, in der das Problem der Vernichtung des Zionismus so lebhaft und teilweise mit so erfreulicher Offenheit in den Zeitungen und Kreisen unserer Gegner erörtert wurde, wie in der gegenwärtigen. Der Grundgedanke der früher schon mißglückten Brandmarkung des Zionismus als einer staatsfeindlichen und unpatriotischen Bewegung wurde trotz der tausendmal erwiesenen Haltlosigkeit dieser Beschuldigung fleißig noch in vielen Kreisen kultiviert und nebenbei von neuem auf Mittel und Wege gesonnen, wie man den Zionismus in den Augen seiner Anhänger und vor allem in den Augen aller derer diskreditieren könnte, bei denen man nur irgendwie auf eine Zuneigung zum Zionismus schließen zu können glaubte.

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