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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 357

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 357 (sequence 357)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 357 — Stoffes, welche sich im Gedankenkomplex des Zionismus befindet, sind freilich scharfe Grenzen schwer zu ziehen. Der Zionismus hat nicht und will nicht haben die Schärfe einer mathematischen Formel. Er darf nicht gepreßt und verengt werden, er darf aber auch nicht ins Uferlose ausgedehnt werden. Die Frage der Gegenwartsarbeit muß von Fall zu Fall entschieden werden. Wenn mächtige Interessen der jüdischen Volksmasse ins Bewußtsein treten, kann der Zionismus nicht abseits stehen. So war der Kampf um die jüdische Kurie in der Bukowina ein notwendiger. Unsere Gesinnungsgenossen, die ihr Wollen und Wünschen, ihre Kraft und Arbeit in den Dienst dieser guten Sache stellten, können darauf stolz sein, daß sie ihre Pflicht getan, und daß es nur durch die Schuld jüdischer Assimilanten nicht gelungen ist, die Erfüllung dieser gerechten Forderung diesmal durchzusetzen. Wir können die Entwicklung der Dinge ruhig abwarten, nur stark müssen wir sein, um jederzeit mit Entschiedenheit unsern Standpunkt zu vertreten. Dann werden sich unserm Gegenwartsprogramm immer neue Kreise anschließen. Über die organisatorische Teilung und provinziale Autonomie (Galizien und Westösterreich) der zionistischen Tätigkeit wird im administrativen Teil berichtet. Hier soll nur mit Bezug auf das politische und kulturelle Moment hervorgehoben werden, daß diese Tätigkeit reich an Problemen, einerseits mit dem Rechtskampf gegen den mächtigen Antisemitismus, anderseits mit dem Kampf für die Anerkennung der jüdischen Nationalität und den hieraus entstehenden Konflikten mit der Assimilation, die im Wahlkampf in den Gemeinden ihren Ausdruck finden, in Westösterreich, in der Bukowina und in Ostgalizien eine Menge von Gegenwartsfragen hervorrufen, die in West galizien weniger und in Böhmen noch viel weniger zur Geltung kommen. In Böhmen, wo eine wohlgeregelte Organisation existiert, gleicht der Zionismus mehr demjenigen Deutschlands; er entbehrt auch nicht gewisser Berührungspunkte und Beeinflussungen; die überhaupt nicht ausbleiben können, und die auch, wie gesagt, in Deutschland vorhanden sind, er hat auch eine Presse und nimmt Stellung zu allen Fragen, aber er ist mehr auf das Administrative beschränkt. In Ostgalizien, wo infolge der Dreiteilung der Nationalitäten (Polen, Ruthenen und Juden) ein Spielraum für eine politische Betätigung vorhanden ist, verzweigt sich die Tätigkeit viel mehr. Im westlichen Galizien hingegen, wo die Juden nur den Polen gegenüberstehen, ist der Spielraum sehr beschränkt: er gleicht mehr oder weniger den Verhältnissen in Russisch-Polen. Es ist auch noch ein Unterschied festzustellen zwischen der Stellung der polnischen und der böhmischen öffentlichen Meinung dem Zionismus gegenüber. Es muß konstatiert werden, daß die polnische öffentliche Meinung dem Zionismus sehr ungünstig gestimmt ist, die böhmische hingegen

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