Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 356

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 356 (sequence 356)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3386-3479527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 356 — Der Jüdische Klub — Österreich —Die allgemeine Tätigkeit — Die Nationalfrage — Das Gegenwartsprogramm — Der Kampf um die jüdische Nationalität In Österreich war der Zionismus außer seiner eigentlichen Arbeit auch mit der nationalen jüdischen Frage beschäftigt. Der nationale Kampf ist in den österreichischen Verhältnissen tief begründet: er ist dort ein treibendes Ferment der allgemeinen Gestaltung und zieht auch unsere Volksgenossen mit aller Gewalt in seinen Kreis. Die jüdische Nationalität in Österreich, wenigstens ihr bewußter Teil, ist bestrebt, sich einen ebenbürtigen Anteil unter den verschiedenen Nationalitäten zu erkämpfen. Aber dort sind Mächte und Triebfedern vorhanden, die uns die Entfaltung hemmen, den Platz an der Sonne bestreiten,- die nationale Parität verweigern und uns in ein neues Ghetto drücken möchten. Der Kampf um die eigene Nationalität (nicht zu verwechseln mit der „inner-politischen Betätigung", die ein ganz anderes Problem darstellt), hat dort einen gewissen Zug und Schwung, durchdringt unsere Partei mit einer Kraft der Stimmung und verleiht ihr eine anziehende und fesselnde Gewalt. Diese Tätigkeit kam zu gewissen Zeiten auch in andern Ländern vor und wurde von uns seit jeher als Gegenwartsarbeit bezeichnet. Der Jüdische Klub verrichtete mit großem sittlichen Ernst seine schwere Arbeit. Für allgemeinen Zionismus und für die nationale Frage war die zionistische Presse sehr tätig. Auch gute Broschüren wurden herausgegeben und fanden eine große Verbreitung. Die Gegenwartsarbeit ist ein Gebiet, dessen Umkreis beständig gezogen wird, niemals aber gezogen ist, solange die Partei sich entwickelt. Es werden immer neue Beziehungen gegeben, und sie liegen mehr an den äußern Verhältnissen, als in der Partei selbst. Wir gehen auf das einzelne dieser Entwicklang nicht ein, da es uns zu weit von unserm Wege abführen würde, und heben nur den Hauptpunkt hervor. Wenn die Partei in sich selbst geschlossen, bei allem Wechsel der Inhalte und trotz des Auseinanderliegens der verschiedenen Tätigkeitsformen, immer als dieselbe gefühlt wird, als dieselbe gegen alle andern Parteien sich abgrenzt, so besteht der Beweis für diese Identität, für dies Beharren im Wechsel und für den Zusammenhang der zerstreuten Tätigkeitsmomente im palästinensischen Zionismus. Dadurch zeigen sich alle Einzelakte auf denselben Mittelpunkt bezogen, von welchem sie ausgingen. Die Gegenwartsarbeit muß als eine Fortsetzung des eigentlichen Zionismus gelten. Sie ist unvermeidl:ch und zu gewissen Zeiten von ungeheurem Wert. Bei der flüssigen Natur, der Feinheit des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.