Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 355)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 355 — werde. Das Fehlschlagen dieses Vereinigungsgedankens hat diese Organisation veranlaßt, eigene Wege zu suchen, wobei die Richtung nach dem Orient als Hauptmoment zur Geltung kam. Tn all diesen Organisationen war eine Mitwirkung unserer Gesinnungsgenossen bemerkbar. Bei manchen fielihr Einfluß sehr bedeutend ins Gewicht. Zur Abrundung des Gesamtbildes muß die Entfaltung einer anregenden und nützlichen Tätigkeit seitens der organisierten Studenten (Kartell Zionistischer -Verbindungen u. a.) und auch die rührige und tüchtige Tätigkeit derTurnvereine erwähnt werden. Wenn wir noch hinzufügen, daß der „Bezalel-Verein" eine große Regsamkeit entwickelte, und daß wir einen Anfang zu einem Kulturfonds gemacht haben, zu dem eine Anzahl Gesinnungsgenossen in oft bewährter Opferwilligkeit beigesteuert haben, und zu allerletzt, daß mit vereinten Kräften einiger Gesellschaften, zudem auch unsere Organisation ihren Teil beiträgt, das Hebräische Wörterbuch Ben-Jehudas subventioniert wird, so haben wir ungefähr das Bedeutendste erwähnt, das in kulturell-politischer Hinsicht für den Zionismus in Betracht kommt. Noch eine Erscheinung muß gebührend hervorgehoben werden. Es ist dies die große Arbeitsleistung, die zur Konstituierung des „Misrachi" geführt hat. Der Berichterstatter über Organisation widmet dieser Tatsache, die eigentlich organisatorischer Natur ist, eine entsprechende Erwähnung. Aber die Entwicklung des ,,Misrachi" bietet auch für die kulturell-politische Übersicht manche Anhaltspunkte. Der „Misrachi", der sich sehr eifrig mit Weltanschauungsfragen beschäftigt, der sich das Geltendmachen des religiös-traditionellen Prinzips im Zionismus als Ziel gesteckt hat und eine Kulturtätigkeit nach seiner Richtung in Palästina unternimmt, bietet sehr viel für den Blick eines kulturellen Beobachters. Politisch — im innerjüdischen Sinne, der ebenfalls in den Bereich unserer Politik hineingehört, — ist diese Organisation insofern wichtig, als ihre Hauptaufgabe darin bestehen würde, daß die strenggläubigen Kreise, die sich bislang gleichgültig oder feindlich dem Zionismus gegenüber verhielten, nunmehr ihren IndifTerentismus oder ihre Opposition aufgeben dürften, was natürlich eine sehr lange und systematische Arbeit voraussetzt. Diese ganze Arbeit wurde in Deutschland gemacht, wro in Frankfurt a. M. der Mittelpunkt für diese Bestrebungen besteht. Wir glauben die Positionen aufgezählt zu haben, die die kulturell-politische Seite der jüdischen Bestrebungen in Deutschland, die den Zionismus angehen und die entsprechenden Erscheinungen im Zionismus selbst darstellen. Lückenhaft und noch wenig befriedigend, wie all diese Erscheinungen eines zionistischen Politikers oder Denkers auch sein mögen, sind sie doch nicht zu unterschätzende entwicklungsfähige Keime, die der Weiterarbeit und der Pflege bedürfen. 2s*