Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 354)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 354 — in die Allgemeinheit, gegen den Abfall und die Auflösung der jüdischen Nationalität, trotzdem die maßgebenden Kreise und ihre Organe diese Tendenzen verfolgen. Wie der „Hilfsverein der deutschen Juden" mit Eifer, Mut. Entschiedenheit und Opfersinn in Palästina zu arbeiten beginnt, und wie er im wahrhaft jüdischen Geiste dort und im ganzen Orient wirkt, das bildet einen Glanzpunkt in der allgemeinjüdischen Tätigkeit deutscher Juden. Die zutage getretene Stimmung, die keine Parteizugehörigkeit und kein Paktieren mit uns, sondern ein klares Verständnis für die Forderungen der Zeit darstellt, liefert den besten Beweis einer gesunden modernen Richtung, welche diese vornehme deutschjüdische Organisation eingeschlagen hat. Hier handelt - es sich auch nicht nur um eine bestimmte Großtat in Palästina, wie es beispielsweise das 3) Technikumu ist. Es handelt sich auch nicht um sonstige einzelne Einrichtungen im Orient, sondern um den Gesamtgeist, der auf die ganze Organisation rückwirken muß, und der nur nach einer wahrhaft humanen und kulturell-jüdischen Richtung rückwirken wird. Die ältere jüdische Organisation, die „Alliance Israetile Universelle— hat auch in ihrer deutschen Abteilung eine große Tätigkeit entwickelt und wird, wenn sie mit ihrer Existenzberechtigung, mit ihrem Grundprinzip, ja, auch mit ihrem Namen nicht in Widerspruch geraten will, nicht umhin können, die Interessen der jüdischen Nation in einer dem zionistischen Ideal naheliegenden Weise zu verteidigen. An dieser einfachen Wahrheit ändert die Tatsache nichts, daß der Vorsitzende der Deutschen Alliance, Herr Goldberger, einen Konflikt zwischen Zionismus und der neuen Türkei herauszukonstruieren glaubte und mit einer ganz deplazierten Schulmeistern uns zu belehren suchte, daß die Erhaltung der jüdischen Nationalität mit dem Nationalismus der Ottomanen unvereinbar sei. Die Quelle dieses Mißverständnisses liegt in der leeren Phrase, die zu einer Gewohnheit geworden ist, unsere jüdische nationale Idee, die nur die Selbsterhaltnng anstrebt, die von jahrtausendalten ethischen und" kulturellen Motiven getragen ist und die keine Spur von Chauvinismus aufweist, mit dem krankhatten, modern gewordenen ^Nationalismusu im landläufigen Sinne dieses Schlagwortes ohne weiteres zu identifizieren, Diese polemische Episode soll uns den Blick für die Bedeutung der nützlichen Arbeitsmöglichkeiten einer großen jüdischen Körperschaft nicht trüben. Zu den allgemeinen Organisationsversuchen gehört auch die Gründung einer „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation", die denZweck hatte, sämtliche jüdischen Organisationen zu vereinigen, — ein Gedanke, dem unsere Brüsseler Konferenz 1906 gewidmet war, — damit ein einheitliches Programm geschaffen