Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 352)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 352 — mächtig in der Seele des Individuums. Es ist wesentlich Aufgabe der folgenden Betrachtungen, zu zeigen, wie das geschieht, wie die kleine Sammelarbeit zu einer nationalen wird. 2. Die kultur-politische Lage in Deutschland — Die inneren Organisationsversuche — Der Rechtskampf — Die Volksinteressen — Der „Hilfsverein der Deutschen Juden" — Die „Ailiance Israelite Universelle" — »Die AIKO" — Die Studenten und die Turner — Bezalelverein und Kulturfonds In Deutschland wird der Zionismus weder mit der Landespolitik noch mit der Nationalitätsfrage verquickt. Der Zionismus in Deutschland, ohne Erschütterungen und Konflikte, hat es auch nicht zu einem Differenzierungsprozeß gebracht, der die verschiedenen Nuancen zur Geltung kommen ließe, wie es in den Massenzentren Osteuropas der Fall ist. Trotzdem wäre es ein Irrtum, zu behaupten, der Zionismus bewege sich in Deutschland nur auf der Oberfläche und erschöpfe sich in den üblichen Funktionen der Vereine. Und ein noch größerer Irrtum wäre die Annahme, es geschähe im großen jüdischen Leben nichts, was dem zionistischen Empfinden nahe läge. So isoliert ist kein Vorgang im jüdischen Leben, daß er nicht seine wenigsten ideellen Rückwirkungen auf den Zionismus hätte. Zunächst sind die Organisationsversuche der deutschen Juden höchst beachtenswert. Der Rechtskampf, natürlich immer noch akademisch und theoretisch, nicht organisatorisch-parlamentarisch, äußerte sich mit stärkern Akzenten, was als ein gewisser Fortschritt bezeichnet werden muß. Sodann ist die große Entwicklung der Organisationen des Gesamtjudentums (Hilfsverein der Deutschen Juden und Alliance Israelite Universelle) ein nationales Symptom, gleichviel, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt; oftmals wird es auch gegen seinen eigenen Willen national, sofern es eine jüdische Zusammengehörigkeit fördert. Die jüdisch-wissenschaftliche Arbeit der deutschen Juden schafft ebenfalls zum Teil wenigstens schätzenswerte nationale Güter. Zu der ersten Kategorie gehört auch die weitverzweigte Tätigkeit der Bne-Brith- Logen, die zu einem vornehmen Faktor im innern Leben deutscher Juden geworden sind, die nach verschiedenen Richtungen eine fruchtbringende Tätigkeit entfalten, und bei denen ein gewisses Verständnis für das Nationale und für den Zionismus sich immer mehr Bahn bricht. Die Jugendbewegung, die im Bestreben zur Gründung jüdischer Jugendvereine mit einer einheitlichen Organisation ihren Ausdruck findet, ist eine Zeiterscheinung, die ein lebhaftes Interesse verdient und wohl würdig wäre, eine wirksame Beteiligung nationaler Elemente in Anspruch zu nehmen.