Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 336)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 336 — sie das kaufmännische Handwerk nicht erlernt haben. Ich habe den Herren gerade heraus, wie es in unserer Bewegung sein muß, offen und ehrlich gesagt: Ihr seid gewiß die besten, aber es gibt Dinge, die ihr nicht versteht, und wir haben die heilige Pflicht übernommen, die Mittel, die uns das arme Volk, unsere armen Brüder, für ihre Zukunft anvertraut haben, zu behüten und zu beschützen. Das müßt ihr den Kaufleuten überlassen; und die Herren haben mir bereitwilligst die Versicherung gegeben, daß ich. die Möglichkeit dazu haben werde, wenn ich die Leitung der Finanzen behalten will. Ich habe mich selbstverständlich dazu bereit erklärt, weil ich mit dem ersten Tage, seit unsere Finanzinstitution gegründet wurde, an ihrer Wiege stand und mit der Sache verwachsen bin. Ich habe, weil ich als Kaufmann klare Sachen haben will, verlangt, daß man mir die Zusicherung gibt, daß ich im Aufsichtsrat eine Majorität bekomme, auf die ich mich unbedingt stützen kann, und zwar, wie ich selbst hinzufügte, nicht zu dem Zwecke, um unser Geld im eisernen Geldschrank zu verwahren, sondern, daß wir nur Dinge unternehmen, die nach den Begriffen von Kaufleuten als praktisch zu betrachten sind. Nachdem ich jetzt mehr freie Zeit haben werde, und mich mehr mit den Finanzen werde beschäftigen können, und nachdem ich auch weiß, daß die Mitglieder des Direktoriums ausnahmslos für praktische, sichere Sacken zu haben sind, bin ich überzeugt, daß wir jetzt in dieser Richtung mehr werden leisten können. Geehrter Kongreß! Unsere Anfangssitzungen sind immer sehr feierlich und rufen den schönsten Eindruck hervor; unsere Schlußsitzungen waren es auch immer. Wir sind immer im Frieden auseinandergegangen, und auch diesmal werden wir, ich bin davon überzeugt, als Brüder, nicht nur als Brüder und als Juden, sondern auch als Zionisten auseinandergehen und doch zusammen bleiben. (Lebhafter Beifall.) Wir werden uns und unserer Idee treu bleiben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Geehrter Kongreß! Das ist die Bitte, die ich an Sie zu richten habe; erweisen Sie mir diesen Gefallen! Und noch ein Wort: Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie mir bis jetzt erwiesen haben. (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen..) Vizepräsident Dr. Bodenheimer 2 Das Wort hat Herr Dr. Leon Reich als Vertreter der galizi sehen Zionisten. Delegierter Dr. Reich: Im Namen der galizischen Landsmannschaft habe ich die Ehre, dem hohen Kongreß folgenden Antrag zu unterbreiten: ,,Der Kongreß erachtet es als notwendig und beschließt, daß der Sitz der Parteileitung nach Berlin verlegt wird. Gleichzeitig drückt der Kongreß den dringenden Wunsch aus, daß Herr David Wolf f söhn weiter die Leitung der Bewegung als Parteipräsident beibehalten möge. Von der Überzeugung ausgehend, daß Herr Wolffsöhn sich nicht weiter weigern wird, dem Rufe der Partei und dem Wohl unserer Idee zu folgen, wendet sich die galizische Landsmannschaft an den bisherigen Präsidenten mit der warmen Aufforderung, seinen Wohnsitz in Berlin zu nehmen." (Lehafter Beifall.) Gestatten Sie mir, verehrter Kongreß, daß ich Ihnen unsern Antrag mit einigen Worten begründe. Ich weiß, der Antrag sieht so aus, als ob wir nicht ganz für Wolffsohn und nicht ganz gegen Wolffsohn wären. Das ist richtig: Wir sind nicht für und nicht gegen Wolffsohn; wir sind für die Entwicklung und das Wohl unserer Idee. Das waren die Leitmotive, die uns zu unserm Antrage bewogen haben. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich habe eben gehört, daß Sie schon die Personenfragen berühren. Das ist jetzt verfrüht. Es ist auch keine Gepflogenheit des Kongresses, Personenfragen zu erörtern, dazu ist der Permanenzausschuß da. Nachdem Sie Ihre Erklärung abgegeben haben, bitte ich, kurz zu schließen. Delegierter Dr. Reich: Ich will kurz erwähnen, daß die galizische Landsmannschaft vorausgesehen hat, daß. wenn die Anträge des Permanenzaus-