Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 335)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 335 - damit es uns möglich wird, ins gelobte Land zu kommen, den Wunsch unseres Volkes zu erfüllen, damit wir selbst, noch die Zeit erleben, daß dieses unser Ziel erreicht wird. Ich richte daher die dringende Bitte an Sie: Der Permanenzausschuß hat in tagelangen Sitzungen und Arbeiten den Weg gesucht, den Weg, den er für richtig gehalten hat. Der Permanenzaussehuß hat mit einer Majorität beschlossen, Ihnen eine neue Leitung vorzuschlagen, und wenn die Majorität des Permanenzausschusses auch nicht der Majorität des Kongresses entspricht, so bitte ich Sie doch: Nehmen Sie diese Vorschläge an, man könnte sonst draußen in der ganzen Welt glauben, daß wir Zionisten unter uns uneinig seien, daß wir uns zanken und streiten. Die ganze Welt soll aber wissen, daß wir keine Feinde unter uns haben: daß wir nur verschiedene Ansichten im Zionismus vertreten, daß wir aber nur ein Ziel vor Augen haben, daß wir alle nur ein Ideal haben, daß wir alle nur für eine Idee kämpfen, und daß unser Kampf nur dazu da ist, um uns unserm Ziel näher zu bringen. (Stürmischer, minutenlanger Beifall und Händeklatschen.) Es wird Ihnen vorgeschlagen, die Statuten dahin zu ändern, daß der Präsident nicht von dem Kongresse gewählt wird. Ich gestehe Ihnen offen, ich selbst bin der Ansicht, sogar der Überzeugung, daß es für uns nicht taugt, wenn die Verwaltung von einem Komitee geleitet wird. Ich glaube, wir müssen ein Haupt haben. Die andern sind anderer Ansicht. Sie halten den Zionismus so hoch, so groß, daß sie nur einen Herzl an der Spitze haben möchten, und wenn sie keinen Herzl haben können, wollen sie sie auf verschiedene Köpfe verteilen. Vielleicht haben sie recht, vielleicht auch nicht; es liegt jetzt im Interesse der Bewegung, daß wir diesen Versuch machen. Die Idee kommt aus derselben Quelle und von denselben Personen, die sich entschlossen haben, die Last der Leitung zu übernehmen, daher rate ich Ihnen, meine Herren, keine Schwierigkeiten zu machen. Sie dürfen es auch von Ihrem Standpunkte nicht tun. Wenn die Herren die Sache gut machen werden, dann wäre es ein großer Fehler, Avenn wir sie irgendwie gestört hätten, und wenn sie es nicht gut machen sollten, Avas Gott verhüten möge, wozu wollen Sie die Verantwortung hierfür übernehmen? Versuchen Sie nicht, andere Personen, als vorgeschlagen sind, ins Komitee hineinzuwählen; versuchen Sie es nicht, geben Sie den Herren, die Ihnen vorgeschlagen werden, die Möglichkeit, die Arbeiten nach ihren Begriffen zu machen, — wir sind ja alle überzeugt, daß keiner von ihnen etwas anderes will, als Avas wir im Grunde genommen selber wollen, — und versuchen Sie nicht, wie hier Avorgeschlagen wurde, mich zu AArählen. Es würde ja doch zu nichts führen. Ich habe Ihnen meinen Entschluß mitgeteilt, und meinen Entschluß habe ich lange und reiflich überlegt. Seit Monaten, seit die erste Nachricht von der Zusammenkunft in Petersburg gekommen ist, bin ich mit mir zu Rate gegangen, und ich gestehe es offen, nicht nur der Zionismus, sondern auch meine Person war mit im Spiele. Wie ich bereits gesagt habe, ich fühle mich nicht kräftig genug, in dieser Weise weiter zu arbeiten. Ich bin abgearbeitet und übermüdet, gönnet mir, die Ihr gewiß meine Freunde seid, — meine Freunde, die ich früher gar nicht gekannt habe, die ich dem Zionismus, der uns zusammengeführt, verdanke; wir sind Freunde geworden, Aveil Avir alle für unsere Idee, für unser Volk gemeinsam arbeiten, — gönnen Sie mir, meine lieben Freunde, zAvei Jahre Ruhe; Avenn ich dann Avieder gesund und kräftig bin und Gott mir Gesundheit und Leben gibt, dann werde ich Ihnen zur Verfügung stehen. In Wirklichkeit Averde ich Ihnen auch heute noch zur Verfügung stehen und selbstA7erständlich auch Aveiter als Präsident des Aufsichtsrats mitarbeiten. Zu Ihrer Beruhigung, geehrter Kongreß, will ich Ihnen sagen, wie ich noch in dieser Beziehung für meine zukünftige Tätigkeit vorgesorgt habe. Ich habe zAvar A^olles Vertrauen zu den Herren, die Ihnen für das E. A. C. Arorgeschlagen Averden. Es sind die Besten unter uns. Ich habe nur eins befürchtet, und das ist geAviß keine Schande für die Herren, daß