Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 334)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 334 - dann, namens eines Teils der englischen Zionisten, — habe ich folgende Erklärung als Antrag abzugeben, der sich ein Teil der russisch-polnischen Landsmannschaft, und zwar mit 11 Unterschriften, anschließt: 1. Der Präsident des E. A. C. wird vom Kongreß gewählt. 2. Der Kongreß wählt Herrn David Wolffsohn zum Präsidenten des E. A. C. Die Bureaus befinden sich am Wohnorte des Präsidenten. Das ist dieErklärung. die ich in aller Ruhe abzugeben habe. Präsident Wolffsohn (mit stürmischem, langanhaltendem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich werde zunächst an die Landsmannschaften, deren Antrag durch den Herrn Delegierten Dr. Heinrich Loewo vertreten worden ist. eine Bitte richten und mich erst dann an den gesamten Kongreß wenden. Ich richte die Bitte an Sie, von Ihrem Vorhaben abzusehen und keine Schwierigkeiten zu bereiten, die docli schließlich zu nichts führen werden. Ich habe Ihnen am Montag hier gesagt, daß ich nicht mehr in der Lage bin, unter den heute gegebenen Umständen die Leitung weiter fortzuführen. Es könnten viele vielleicht geglaubt haben, daß ich das nur so gesagt habe, weil ich verärgert war. Aber, geehrter Kongreß, das ist nicht der Fall, ich.habe es aufrichtig gemeint! Seit 12 Jahren habe ich die Ehre und das Glück, immer mit zur Leitung zu gehören. Es sind viele Vorfälle bei uns vorgekommen, oftmals, wie das nicht ausbleiben kann, haben viele unter uns sich veranlaßt gesehen, ihre Demission zugeben, und ich selbst war oft genug in einer derartigen Lage, aber ich habe es doch niemals getan. Ich habe mir immer die Frage vorgelegt: Wird es denn besser werden, wenn ich gehe? Und als ich mir sagte: nein, da habe ich weder gedroht, noch jemals meine Demission gegeben. Die Sache ist mir viel zu ernst und zu teuer, als daß ich damit Scherze treiben könnte. Es ist mir voller Ernst, ich habe Ihnen die Gründe ausführlich dargelegt, warum ich es nicht tun kann und will. Ich habe es ausführlich genug getan, und ich kann heute abend nur dieselben Gründe wiederholen. Ich richte daher die Bitte an Sie, keine Schwierigkeiten zu machen. Es geht nicht, daß wir unsere Bewegung in eine Majorität und eine Minorität spalten können, wir sind noch nicht so weit, daß wir uns den Luxus erlauben können, uns in Parteien zu spalten. Wir müssen Hand in Hand arbeiten. Ich habe mir oft genug die Frage vorgelegt und geprüft, ob ich den Kampf aufnehmen soll, und ich bin zu dem Entschlüsse gekommen, es würde ganz bestimmt nicht zum Wohle der Bewegung sein. (Lebhafter Beifall.) Ich bin zu dem Entschlüsse gekommen, mein verehrter Kongreß, daß ich einen solchen Kampf nicht führen kann. Die Worte standen vor mir, die ich erst jetzt begriffen habe: „Echan essa Pwadi torchachem umassachem weriwchem." Wie soll ich allein eure Last, eure Mühe und den Hader ertragen können? Ich kann es nicht, und w'r wollen es jetzt einmal versuchen mit den Vorschlägen, die von einem großen Teil unserer Organisation, aus dem Lande, wo die meisten Juden wohnen, kommen. Ich bin überzeugt davon, daß sie es gewiß gut meinen, und wir werden ja in kurzer Zeit sehen, wer recht behalten wird. Ich bin anderer Ansicht, aber sie mögen vielleicht recht habenich bin ja nur einer, und ich kann mich irren. Vielleicht werden sie recht haben, dann werde ich nur eines bedauern, daß sie nicht schon früher mit diesem Vorschlage gekommen sind. Und sollten sie sich geirrt haben, dann bin ich überzeugt davon, daß sie es bedauern werden, und wir werden uns bei dem nächsten Kongreß wTieder anders einrichten. Geehrter Kongreß! Es scheint fast so, als wenn man in das gelobte Land nicht kommen kann, bevor man die Wüstenwanderung durchgemacht hat. Wir befinden uns auf der Wüstenwanderung, wir müssen noch von einem Ort nach dem andern ziehen. Wir müssen noch kämpfen nach innen und nach außen. Wir müssen noch mit unsern eignen Brüdern kämpfen. Wir müssen noch nach außen kämpfen, um uns Achtung und Anerkennung zu erringen, und wir müssen auch unter uns noch den Kampf austragen. Wir sind noch in der Wüste, und wir müssen stark bleiben und die Wüstenwanderung überstenen,