Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 306)
- Language
- German, English, Hebrew
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das Stiefkind unserer Bewegung betrachtet, und immer zu einer solchen Zeit und unter solchen Umständen zur Erörterung gebracht, daß es unmöglich war, etwas Brauchbarem zu schaffen. Hieraus ziehe ich die Konsequenz. Ich habe ein eingehendes Referat ausgearbeitet, dieses bitte ich als dem Kongreß vorgetragen zu betrachten, es wird vielleicht nach Schluß meiner Ausführungen unter den Kongreßdelegierten verteilt werden. "Ich bitte nur um eins; nachdem ich unter Zwangsnmständen diese Zurückhaltung übe, glaube ich das Recht zu haben, daß Sie wenigstens das Referat in aller Ruhe und mit der gebührenden Aufmerksamkeit lesen. Sie werden wohl eine halbe Stunde im Laufe der Tagung noch finden, wo dies geschehen kann, so daß Sie selbst urteilen werden, ob es notwendig ist, und in welchen Punkten es erforderlich ist, die Organisation zu ändern. Ich möchte noch ein kurzes Wort an den Kongreß richten, und dieses betrifft gerade den Punkt, über den die Landsmannschaften und der Permanenzausschuß seit gestern früh fast unausgesetzt beraten, das ist der Punkt der obersten Leitung unserer Bewegung. Wir haben alle den Eindruck, daß es nicht möglich sein wird, ein Komitee zusammenzusetzen, bei dem eine zuverlässige, absolut allen Anschauungen des Kongresses entsprechende Führung an der Spitze steht. Wir haben aber die Überzeugung, daß die Führung starksein muß. Man hat nun den Versuch gemacht, die Frage so zu lösen, daß man an Stelle weniger Personen ein größeres Komitee iu Vorschlag gebracht hat. Bei diesem größern Komitee ist es unausbleiblich, daß der größere Teil der Mitglieder dieses Komitees außerhalb des Sitzes der Leitung sich befindet. Die bisherigen Erfahrungen sowohl beim Siebener-Ausschuß, den der VII. Kongreß gewählt hat, als auch früher nach dem Tode Herzls, wo ein Dreizehner-Ausschuß gewählt war, um den Ausschuß in Wien, das Engere Komitee zu unterstützen, diese Erfahrungen haben gezeigt, daß ein solches Komitee unmöglich arbeiten kann. Denn die außerhalb des Komitees wohnenden Mitglieder haben den Wunsch, über alle Dinge fortdauernd unterrichtet zu werden. Es fehlt ihnen aber die Möglichkeit, fortdauernd in die Geschäfte einzugreifen, und aus diesem Zwiespalt erwachsen fortwährende Reibungen, die es unmöglich machen, nach einheitlichen Grundsätzen die Leitung der Bewegung zu führen. Ich richte an den Kongreß den Appell und gebe der Meinung Ausdruck, daß die Sicherung der Zukunft unserer Bewegung darauf beruht, daß wir nicht zu oft und nicht zu viel an der Form der Leitung ändern. Es muß einmal die Zeit kommen, wo wir in Ruhe, ohne die Personenfrage in den Vordergrund zu stellen, prinzipiell und formell die Frage der obersten Leitung der Bewegimg endgültig entscheiden. Es scheint mir aber nach den verschiedenen Plänen, die im Laufe des Kongresses aufgetaucht sind, daß bei jedem neuen Plan die vollkommene Klarheit, die vollkommene Durchsichtigkeit, die Richtungslinie der künftigen Bewegung fehlt. Meine Herren! Ich will mit meinem Bilde schließen. Wenn Sie sich auf einem Schiffe befinden, das den Hafen verläßt, um nach einem fernen Ziel seine Fahrt anzutreten, dann bildet dieses Schiff das Bild einer vollkommenen Organisation. Auf diesem Schiffe finden sich Einrichtungen, um dasselbe fortzubewegen. Die Maschine, die Triebkraft des Schiffes, befindet