Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 302)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 302 — nehmen. Wir erledigen also die Sache so: Zunächst hat Herr Dr. Daiches, dann Herr Cowen. dann Herr Professor Warburg das Wort, dann schreiten wir zur Abstimmung*. Ich bitte, den Mittelgang frei zu halten, und dann richte ich die Bitte an die drei genannten Herren, sich kurz zu fassen. Der Kongreß hat keine Zeit, lange sich mit dieser Angelegenheit zu befassen. Delegierter Dr. Daiches: Ich hoffe, daß Sie der Mahnung unseres Präsidenten eingedenk, auch meine Ansicht hören werden. (Lebhafte Schlußrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Ich bitte, den Herrn Redner mit Ruhe anzuhören. Delegierter Dr. Daiches (fortfahrend): Im Interesse des Zionismus und auch im Interesse unseres Präsidenten Wolffsohn bitte ich Sie, diesen Antrag, der in zwei Teile zerfällt, anzunehmen. Denn lullen wir uns in keinen Traum ein, das Vertrauensvotum für War bürg genügt uns noch nicht, um den Eindruck, den die Briefe nicht auf die Kongreßmitglieder, sondern auf unsere Welt ausgeübt haben, zu vernichten. Besonders nach der Rede des Herrn Kann, der zugegeben hat, daß diese Briefe auch sachliche Unrichtigkeiten enthalten, ist es äußerst wichtig, diese Korrespondenz aus der Welt zu schaffen. Sonst können wir für die Propaganda nichts mehr tun. Heute sagte mir jemand: „Wie kann ich Propaganda machen, lesen Sie den Brief Cowens." Deshalb sage ich, das Vertrauensvotum wird aufgefaßt werden als ein bloßer Höflichkeitsakt (Widerspruch), während die Verurteilung der Briefe als Kundgebung des Kongresses aufgefaßt werden wird. Der zweite Teil des Antrags geht dahin, daß es ratsam ist, daß Cowen nicht mehr Direktor des Trust sei. (Widerspruch.) Ich will dies kurz begründen. Herr Wolffsohn sprach gestern von einem siamesischen Zwillingspaar. Wir haben auch in England ein siamesisches Zwillingspaar, das sind Cowen und Greenberg. (Widerspruch und Schlußrufe.) Wenn Sie die Interessen Wolffsohns wahren wollen, und Wolffsohn ist all right, dann trennen Sie ihn von einigen seiner Genossen, namentlich von Cowen und Greenberg. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Cowen verzichtet auf das Wort, es gelangt nunmehr Herr Professor War bürg zum Worte. Professor Warbnrg: Geehrter Kongreß! Ich werde mich sehr kurz fassen. Erstens möchte ich gegenüber" der Bemerkung, daß Herr Cowen trotz seines Versprechens die Briefe veröffentlicht hat, konstatieren, daß icli sie veröffentlicht habe, weil ich der Ansicht war, daß Cowen sie so wie so veröffentlichen würde; ich wollte sogar telegraphisch die Veröffentlichung abbestellen, aber es war schon zu spät. Ich glaube, unser Kongreß hat wirklich Wichtigeres zu tun. (Beifall.) Ich habe schon wiederholt erklärt, daß ich nicht den Ehrgeiz habe, Geschäftsmann zu sein, und es auch nicht zu sein glaube. Also jede Möglichkeit, mir die Geschäfte persönlich abzunehmen und in einem großen Bureau zu vereinigen, würde meinen tiefgefühlten Dank finden. Dem was Herr Kann gesagt hat, stimme ich zu; ich habe aber gefunden, daß die Bank in der jetzigen Zeit nicht das Verständnis für die kaufmännische Palästinaarbeit hat. Was das Kaufmännische betrifft, so fehlt mir das Urteil, und ich glaube, daß sie in dieser Beziehung gut arbeitet. Wenn ich erkläre, daß ich, wenn möglich, in geschäftliche Dinge mich nicht einmische, so glaube ich, daß auch die Unterlagen für diese Diskussion in der Zukunft nicht vorhanden sind, und wir können nichts besseres tun, da noch sehr viele wichtige Anträge zu erledigen sind, als wenn wir den Antrag, zur Tagesordnung überzugehen, annehmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Wir stimmen über den Antrag auf Schluß der Debatte und Ubergang zur Tagesordnung ab. Der Antrag lautet: „Angesichts der Vertrauenskundgebung für Professor Warbürg, welche der Kongreß einstimmig beschlossen hat, geht derselbe über die Angriffe Cowens zur Tagesordnung über."