Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 298)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3328-3479469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 298 — Sie haben nun heute eine authentische Erklärung von Herrn Professor War bürg über diesen Punkt und.über den Umstand vernommen, inwiefern es ihm nicht möglich war, an der Änderung dieses Schriftstückes mitzuwirken. Ich möchte Ihnen ex praesidio sagen, daß es dem Ansehen und der Würde, des Kongresses nicht entspricht, sich mit andern, besonders mit jüdischen Organisationen hier in Form einer Diskussion irgendwelcher Art auseinanderzusetzen. (Zustimmung.) Erst auf Grund eines Telegramms, das hierher gerichtet worden war, und um den Herren, die sicli durch die Äußerung unseres Präsidenten beschwert fühlten, Gelegenheit zu geben, zu Worte zu kommen, weil sie nicht in diesem Saale vertreten sind, wurde gestern diese ganze Angelegenheit zur Sprache gebracht. Wir haben keine Veranlassung, auf solche Äußerungen anderer Organisationen hier in unserm Kongresse einzugehen. Wir haben deshalb auch davon Abstand genommen, auf eine offiziöse Mitteilung in einer Hamburger Zeitung einzugehen, in der sich irreführende Angaben über Umfang und Bedeutung der zionistischen Bewegung und unserer Organisation befinden, und die eine ganz unsachliche Erklärung gegenüber einer freundlichen Einladung enthält, die die Leitung des Zionistenkongresses, das Aktionskomitee, an eine hiesige Behörde gerichtet hat. (Zustimmung.) Ich will liier keine Kritik üben, ob es taktvoll und richtig war, von Seiten einer jüdischen Behörde die Gastfreundschaft in Hamburg in dieser Weise auszuüben. Wenn man es nicht schon wüßte, dann wäre es nötig, noch besonders mitzuteilen, daß es sich leider um eine jüdische Behörde handelt. Wir haben bisher nocli keine Veranlassung gehabt, uns gegenüber irgendwelchen Erklärungen nichtjüdischer Behörden zu wehren. Und ich glaube, der Fall wird auch nicht eintreten. Aber wenn wir von irgendeiner Organisation angegriffen werden, wie es von der Aiko geschehen ist, dann sind wir berechtigt, uns dagegen zu wehren. Das wollte ich lediglich konstatieren. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer; Ich gebe nun das Wort zu einer kurzen Erklärung Herrn Dr. Friedemann. Delegierter Dr. Friedemaim; Verehrter Kongreß?! Die Angelegenheit der Aiko ist natürlich für uns endgültig erledigt. Ich bitte nur noch um einen Augenblick zu meiner eigenen Rechtfertigung. Der Präsident der Aiko hat an den Präsidenten des Zionistenkongresses, Dr. Nordau, folgende Depesche gerichtet (liest): „Präsident Nordau, Zionistenkongreß, Hamburg. Ersuchen Sie zu erklären, daß Denkschrift der Aiko auch von Professor War bürg und Dr. Heymaim nicht nur gebilligt, sondern umredigiert und auf gegenwärtige Form gebracht wurde. Dr. Friede mann war bei Lektüre abwesend, erklärte sich jedoch mit der von Hey mann akzeptierten Form im voraus einverstanden, Manuskript mit eigenhändigen Änderungen Heymanns im Archiv vorhanden. Denkschrift enthält weder Verleumdung noch Beschimpfung des Zionismus, sondern allgemein bekannte, von Zionisten selbst zugegebene Tatsachen. Für Aiko, Ginsberg, NOssig." Ich konstatiere nochmals ausdrücklich, daß ich der Sitzung, in der diese Denkschrift vorgelesen und gebilligt wurde, nicht beigewohnt, sondern lediglich mich darauf verlassen habe, daß die andern Zionisten, die anwesend waren, aus der Denkschrift dasjenige herausfinden werden, was den Zionismus schädigen könnte. (Beifall.) Mich trifft also keine Verantwortung. Vizepräsident Dr. Bodenheimer; Wir schreiten jetzt zur Abstimmung über den zweiten Teil des Antrags Simon. Wir werden in gleicher Weise verfahren wie vorhin. Der Antrag wird zuerst deutsch verlesen und dann ins Russische und Englische übersetzt. Es wird mir mitgeteilt, daß Ersatzdelegierte, welche nicht berechtigt sind, an der Abstimmung teilzunehmen, sich vorhin irrtümlich beteiligt haben. (Rufe: Es sind einzelne,— es ist einer!) Ich mache darauf aufmerksam, daß ein Ersatzdelegierter nur dann berechtigt ist an der Abstimmung teilzunehmen, wenn der Delegierte, der gewählt worden ist, auf