Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 295)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 295 — gegen diese Worte sich wendeten, nicht erklären, — in der Erregung so gedeutet hat, wie wir nachher die Interpretation insbesondere aus den Worten des Herrn W o 1 f f s o h n hörten. Wer nüchtern und unbefangen die Worte Ussischkins hörte, konnte zu keiner andern Deutung kommen, als dal.) er, soweit er die deutsche Sprache beherrscht.....(Unruhe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte, den Redner nicht zu unterbrechen. (Beifall.) Delegierter Simon (fortfahrend): Ich glaube, daß ich nicht meine Befugnisse überschritten habe, wenn ich das tue, was Herr Wolffsohn vorher getan hat. Präsident Wolffsohn: Ich habe die Worte nicht interpretiert, sondern nur wiederholt. Delegierter Simon (fortfahrend): Ich sage, wir kennen ja die prinzipiellen Anschauungen des Direktoriums der Bank, dal?) es eine geschäftliche Möglichkeit gibt, Gelder flüssig zu halten und dennoch Gewinn daraus zu erzielen. Dieses Prinzip leugne ich und beweise es durch die bisherigen schlechten Erfolge, die die Bank gehabt hat, Ich sage, — und das ist die Frage, worauf es ankommt, — wenn man mit dem großen Apparate der Bank, mit all den vielen Beamten, die sie hat, mit all der Inanspruchnahme der für uns wertvollen Kräfte der Herren Direktoren, die für andere Zwecke für uns nutzbar sind, nicht einmal soviel erzielen konnte, wie man aus dem Gelcle hätte erzielen können, wenn man es einfach als Rente in Effekten angelegt hätte, daß in diesem Augenblicke, wo diese Erkenntnis durch die Erfahrung von sieben Jahren der Tätigkeit der Bank unumstößlich feststeht, die Direktoren zu der Einsicht kommen müssen, daß dies nicht die Art ist, die Geschäfte der Bank weiterzuführen, und zwar aus zwei Gründen: Erstens aus dem Grunde, weil sie unsern geschäftlichen Kredit überhaupt schädigt, indem, sie durch die schlechten Gewinne aller Welt vor Augen führt, daß wir keine Geschäfte machen können, zweitens deshalb, weil das Prinzip der Flüssigkeit der nicht in Palästina investierten Mittel doch von uns allen hochgehalten wird. Ich mache darauf aufmerksam, es herrschen drei Anschauungen, welche hier eben auf der Tribüne zum Ausdruck kamen. Die erste Anschauung vertrat Herr Dr. Gabel, welcher forderte, daß die Bank ganz andere Geschäfte in Europa mache als bisher. Meine Auffassung stimmt ganz mit der Auffassung der Direktoren der Bank überein, derart, daß die Gelder nicht mehr heute in europäischen Geschäften investiert werden dürfen, weil jedes Interesse für derartige Geschäfte für unsern Zionismus, dessen einziges Interesse sich heute äuf Palästina konzentriert, überflüssig geworden ist. Die Flüssigmachung ist jedenfalls erforderlich, die ich forclere, weil ich gestern unwidersprochen sagte, daß die heutige Anlage der Gelder doch nicht das erforderliche Maß von Liquidität bedeutet. Die Mittel sind nicht so liquid, als sie es für uns für den Fall sein müßten, daß wir sie gebrauchen sollten. Ich fordere auch nicht, daß man jetzt plötzlich die Bank auflösen soll und die Mittel irgend wohin nach Palästina bringt. Ich habe ausdrücklich, weil ich weiß, wieweit die Möglichkeit dieses Kongresses geht, über derartige Fragen sich zu entscheiden, jede geschäftliche Frage aus der Debatte gelassen. Ich habe nicht gesprochen, in welchem Maße diese Liquidation erfolgen soll. Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend:) Herr Simon, der Kongreß hört Sie gewiß mit großem Interesse an, aber wir haben doch auch noch wichtige Dinge zu beraten. Sie haben gestern ausführlich,, gesprochen, ich bitte, sich daher kürzer zu fassen. Delegierter Simon (fortfahrend): Gestatten Sie nur, Herr Präsident, daß ich feststelle, daß ich auf eine Menge von Einwürfen erwidern muß, da nur ein einziger Redner zu meinen Gunsten sprach. Ich habe nicht gesagt, in. welchem Maße liquidiert werden soll, ich habe nicht gesagt, in welchem Maße die liquidierten Gelder nach Palästina überführt werden sollen. Ich vertraue hier den Direktoren; ich habe nur gefor-