Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 292)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 292 — Vor allem hätte Herr Dr. Gabel sieh die Muhe geben sollen, den Namen unserer Bank "zu kennen. Er hat gesagt: Nationalbank, und er hätte wenigstens die Zahlen der Bilanz studieren sollen. Dann hätte er sich überzeugt, daß wir den Kredit, den er verlangt, schon lange genießen. Die Akzepte unserer Bank zirkulieren und werden gern von den Leuten genommen. Allerdings, daß wir unsere Akzepte nicht selbst diskontieren, ist jedem Bankier bekannt. Delegierter Ussisckkiii: Hochgeehrter Kongreß! Der Antrag, welchen Herr Julius Simon gestellt hat, ist der wichtigste Antrag, den wir hier gehört haben. Er fordert, daß die ganzen finanziellen Mittel der Jüdischen Kolonialbank nach Palästina gehen sollen. Sie werden sehen, gegen diesen Antrag werden die Direktoren stimmen, das zeigt, daß wir den Antrag annehmen müssen. (Unruhe. — Beifall.) Um einen Beschluß zu fassen, der unsere Arbeit in Palästina stützen wird, sollten Sie ohne Kompromiß, ohne Amande- 111 ^nt unbedingt den Antrag Simon annehmen. Delegierter Dr. Friedemann: Ich bin prinzipiell der Meinung des Herrn 8 i m o n , daß diejenigen Gelder, welche nicht in palästinensischen, sondern in Europageldern angelegt sind, so weit flüssig gemacht werden sollen, als es möglich ist, ohne die europäischen Geschäfte der Bank zu schädigen. Natürlich müssen in London so viel Gelder bleiben, als die A. P. C. unter Umständen in Europa in Anspruch nehmen kann. Soweit gehe ich mit Herrn Simon und werde für seine Anträge stimmen. Aber die Begründung des Herrn U s s i s c h k i n ist eine so unglaubliche Demagogie (lebhafte Zustimmung), wie sie mir noch nicht vorgekommen ist. Was ich hier erkläre, tue ich aus sachlicher Uberzeugung. Nicht weil die Direktoren der Bank dagegen stimmen, bin ich dafür, sondern weil nach meiner Überzeugung das das Richtige ist. (Lebhafter Beifall.) Wenn man auf den Kongreß mit solchen Argumenten zu wirken sucht, schafft man sich künstlich eine Gegnerschaft gegen sachliche Anträge, die man vermeiden muß. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Dr. Katze uelsolm: Herr U s s i s c h k i n hat richtig geraten: Das Direktorium muß sich gegen den Antrag Simon erklären, und zwar deshalb, weil es alle Anträge annimmt, welche etwas schaffen, aber nicht einen solchen, welcher dazu angetan ist, Arbeit zu zerstören und nur als Mißtrauensvotum aiifg-efaßi werden kann. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Bard (Lemberg); Hoher Kongreß! Ich bedaure, gegen den Antrag S t m o n mich aussprechen zu müssen. Innerhalb zehn Jahre hat die Bank kaum den achten Teil ihres Nominalkapitals erwerben können. Wenn wir dieses Institut zu einer achtunggebietenden Höhe bringen wollen, müssen wir entschieden weiter in Europa arbeiten. Zu meinem Bedauern muß ich sagen, daß die Bank für Werbung des Kapitals sehr wenig getan hat; es scheint mir, daß sie heute auf ihren Lorbeeren ausruht. Eine Viertelmillion ist gesammelt worden auf den ersten Aufruf unserer Führer. Wie wenig die Bank bisher gearbeitet hat, beweisen folgende Ziffern. Die Bilanz schließt am 31. Dezember 1907 mit 254 000 £; nach zwei Jahren hat sie 255 500, und die Werbung dieses Kapitals von elenden 1500 £ in der ganzen Judenheit hat nicht weniger gekostet als 60°/o des Bruttogewinnes von 300 000 M. Die Bilanz ist leider in Pfund verfaßt, so daß* die meisten Herren wenig davon verstehen. Wenn sie in Kronen, Mark oder Franks abgefaßt wäre, würde jeder es leicht verstehen. Ich habe mir aber die Mühe genommen, die Sache zu berechnen, und habe gefunden, daß der Bruttogewinn' in zwei Jahren 300 000 M beträgt. Davon machen die Saläre 92 000 M aus, Miete und Advokatenspesen betragen 10 000 M. Ich weiß, die Herren verlegen sich nur auf sichere und gute Geschäfte. Um 750 Aktien in einem Jahre zu erwerben, also in zwei Jahren 1500, und um 21/2°/o zu bekommen, muß man 92 000 M an die Beamten auszahlen; billiger machen sie es nicht, mit einem Worte, es verbleiben von 300 000 M für uns 128 000 M.