Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 290)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 290 — daß die Namen verlesen werden. (Große Unruhe und Zwischenrufe.) Es hat keinen Zweck, wenn mir von den Delegierten Zurufe gemacht werden, die liier nicht zu verstehen sind. Wenn einer etwas wünscht, soll er heraufkommen und sich melden. Es wurde gewünscht, daß die Namen verlesen werden. (Nein!) Nachdem von vielen Seiten dieser Wunsch geäußert wird, werde ich die Namen verlesen. (Lärm. — Wir wollen die Namen nicht hören!) Ich lasse hierüber keine Diskussion zu und verlese die Unterschriften. Ich bitte die Ordner für Ruhe zu sorgen. Es sind unterschrieben: Loebl Taubes, Dr. Karl Pollak, S. Epstein, J. Pragmann, Streicher, Nachmann, Kantorschik, Moses Kleimann, Rosenblum, einige Namen sind unleserlich. Ich bringe nun den Antrag zur Abstimmung. Wer dafür ist, bitte ich die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe wird vorgenommen.) Der Antrag ist abgelehnt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir kommen nun zu dem Antrage S i in o n aus Mannheim. Dieser Antrag lautet: „Der Kongreß ist der Ansicht, daß die gegenwärtige geschäftliche Tätigkeit des J. C. T. in Europa außerhalb der Interessensphäre der zionistischen Bewegung liegt. Der Kongreß fordert, daß allmählich die möglichste Liquidation der europäischen Geschäfte des J. C. T. und die Uberleitung seiner Mittel nach Palästina erfolge." Das Wort hat der Herr Reichsratsabgeordnete Dr. Gabel: Delegierter Dr. Gabel: Ich würde die Geduld der Versammlung nicht auf die Probe stellen, wenn nicht der Umstand . . . (Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Sie werden doch einem solchen Parlamentarier, wie Herrn Dr. Gabel, Gehör schenken. (Beifall.) Delegierter Dr. Gräbel (fortfahrend): Ich würde nicht in letzter Stunde das Wort ergreifen, wenn nicht der Umstand, daß der Antrag des hochgeehrten Herrn Simon, der in das Mark einer unserer wichtigsten Institutionen greift, das Vertrauen, das wir dieser Institution schenken sollen und schenken müssen, auf das heftigste erschüttert. Es ist unmöglich, sich vorzustellen, daß die Jüdische Nationalbank den Tendenzen des Gründers unserer Bank, unseres verstorbenen Führers Dr. Herzl, entsprechen kann, wenn sie aufhört, die europäischen Geschäfte fortzuführen, wenn sie aufhört, ein Finanzorgan in Europa zu sein. Die Bank kann nicht außerhalb Europas existieren. Sie muß Beziehungen zu andern europäischen Instituten haben, um ein Bindeglied zwischen den verschiedenen finanziellen jüdischen Institutionen zu bilden. Sie ist aber bisher ein solches Bindeglied nicht gewesen. Es sind viele Kräfte in den jüdischen Finanzinstituten konzentriert. Diese Kräfte zu sammeln und ein Bindeglied für sie zu sein, sollte eben den Hauptzweck des J. C. T. darstellen. Um aber wirklich ein Bindeglied zwischen den jüdischen Banken zu sein, muß die Jüdische Kolonialbank sich auch nach außen hin eine gewisse Stellung erwerben. Wenn sie das jüdische Finanzwesen repräsentieren soll, muß sie auch zu andern Institutionen, nicht nur jüdischen, in Beziehungen treten. Sie muß ein Faktor auf dem finanziellen Markte sein. Nur dann, wenn die jüdischen Finanzinstitute durch die Vermittlung unserer Jüdischen Kolonialbank auf den öffentlichen Markt treten werden, nur dann kann die Jüdische Kolonialbank Anspruch darauf erheben, von den jüdischen Finanzinstituten als Sammelpunkt der jüdischen finanziellen Kräfte behandelt zu werden. Nun ist bekannt, daß unsere Bank zu keinem europäischen Finanzinstitute Beziehungen hat. Das ist eine konkrete Tatsache, und ich führe hierfür als Beweis einen originellen Brief dieser Kolonialbank an. Als sich nämlich ein Kreditinstitut in Lemberg an die Jüdische Nationalbank mit der Bitte wandte, daß sie ihre Depots und Wechsel in London unterbringen solle und ihr Kredite bei andern europäischen Instituten verschaffen möge, da antwortete die Jüdische Kolonialbank fliest): ..Auf Ihr Geehrtes vom 19. Dezember erwidern wir Ihnen erge-