Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 278)
- Language
- German, English, Hebrew
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stige Intellektuelle ins Land ziehen, Elemente, an denen wir jetzt noch großen Mangel leiden. Für diesen Zweck wäre natürlich die Schaffung einer großen Organisation auf gesunden Grundlagen erforderlich. Zunächst wären überall eigene Lokalkomitees einzusetzen, die den Interessenten die nötigen Auskünfte zu erteilen hätten. Durch eine solche Einwanderung würde die gegenwärtige jüdische Bevölkerung in der Türkei in ihrer Position gefestigt, und sie würde ' dann sicherlich freudig mitarbeiten, um das Ideal eines jüdischen Kulturzentrums, wie es der Zionismus anstrebt, zu verwirklichen. Was uns türkische Juden betrifft, so möchten wir in unserer glühenden Liebe zu unserm Vaterlande nur die Worte des Sultans Bajazed IL, die er an die aus Spanien vertriebenen Juden gerichtet hat, mit einigen Änderungen wiederholen: Kommt, Brüder, ihr werdet vielleicht die undankbaren Länder, die euch zur Flucht gezwungen haben, durch euren Wegzug arm machen, ihr werdet aber das schöne und edle ottomanische Land bereichern. Kommt, — und als gute Juden wollen wir auch die Einladung wiederholen, die die jüdische Gemeinde von Saloniki im XVI. Jahrhundert an die Israeliten der Provence und Isaak Sarfati im XV. Jahrhundert an die deutschen Juden ergehen ließ: ijn /tin uo Kommt, Brüder, kommt nach der Türkei. Hier lebt ein jeder von uns ruhig ipjNn nnm ij^ nnn unter dem Schatten seines Weinstocks und seines Feigenbaums, ohne daß irgendeiner uns in unserer friedlichen Entwicklung stören würde. Kommt zu uns, um in diesem fruchtbaren — und wir am Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts fügen hinzu: — in diesem freien Lande in Ruhe und Sicherheit zu leben. (Lebhafter, sich immer wieder erneuernder Beifall und Händeklatschen). Vizepräsident Dr. Bodeiiheiiner: Das Wort hat Herr Dr. Daiehes zu einer kurzen Erklärung. Delegierter Dr. Daiches (London): Geehrter Kongreß! Ich ergreife jetzt das Wort, um einem allgemeinen Gefühl starker Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie die Berichterstattung in der „Welt" vor sich geht, Ausdruck zu geben. Wir wollen eine objektive Berichterstattung haben, damit die ■Tausende und Abertausende, die Interesse an dieser Verhandlung nehmen, ein klares Bild von ihr bekommen. (Zustimmung.) Tatsache ist aber, daß die sogenannten Oppositionsreden gekürzt und ungeheuerlich entstellt werden und die Haltung des Kongresses auch nicht richtig dargestellt wird. Anderseits werden die sogenannten" Proreden wörtlich wiedergegeben und sogar ausgeschmückt. Einige Beispiele, erstens: Nr. 3 der „Welt" enthält auf Seite 1183 den Satz: „Wolffsohn beschäftigt sich mit dem Unrat, der von gewissen Delegierten und Preßorganen über die Leitung und den Zionismus ausgegossen worden sei." Ich frage Sie, wie man von Delegierten und Preßorganen behaupten kann, daß Sie über den Zionismus Unrat gießen. Zweitens: von Mr. Co wen, London, heißt es, das er von einem Teil der Delegierten mit Zischen empfangen wird, wogegen der' größere Teil der Delegierten mit lautem Beifall und Zurufen demonstriert, was eine Unwahrheit ist. (Heiterkeit.) Ich frage den Kongreß, ob das den Tatsachen entspricht. Drittens: in Nr. 4 haben Sie zwei Reden, die eine von Weitzmann, die andere von Dr. Loewe. Ich glaube, Dr. Loewe wird sogar selbst zugeben, daß die Rede Weitzinanns