Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 277)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 277 — werden, ausgestattet mit dem ganzen Rüstzeug der modernen Zivilisation, werden sich zu einer so guten Nachbarschaft beglückwünschen, die einen wirksamen Anreiz zum Fortschritt für sie bilden und ihnen den besten Weg dazu zeigen wird. Wenn die Ottomanen im allgemeinen durch das frische Blut, das der jungen, freien und konstitutionellen Türkei auf diese Weise zuströmen wird, nur zu gewinnen haben werden, so werden die ottomanischen Juden sich ganz besonders glücklich schätzen, den Nutzen zu beobachten, den ihr Vaterland aus den Fähigkeiten ihrer Stammesbrüder zieht, die aus den Ländern der Bedrückung gekommen sind und nunmehr die Gastfreundschaft, die sie bei den Ottomanen gefunden haben, durch ihre segensreiche Regsamkeit vergelten. Sie werden hocherfreut sein, zu sehen, wie ihre Volksgenossen die moralische Kraft und das Ansehen des jüdischen Bevölkerungselements im türkischen Reich heben. Es bliebe nur noch zu prüfen, auf welche Weise die Aktion einer methodischen Einwanderung zur Durchführung gelangen kann. Dies ist die heikelste Frage, von deren Lösung der Erfolg des ganzen Unternehmens abhängt. Man könnte auf gut Glück einzelne Vilajets anführen, in denen die Errichtung städtischer oder ländlicher Ansiedlungen am leichtesten zu bewerkstelligen wäre. Es ist jedoch nicht meine Sache, auf diesen Punkt näher einzugehen, der ein gründliches Studium erfordert, welches lediglich durch eine wissenschaftliche Kommission angestellt werden kann, die die fraglichen Gebiete mit aller erforderlichen Sorgfalt zu erforschen hätte. Geehrte Versammlung! Das Werk, das der Zionismus, diese ideale Bewegung, die Tausenden unserer verfolgten Brüder Trost und Hoffnung spendet, bisher vollbracht hat, kann nur als ein bescheidener Anfang angesehen werden. Wir wünschen aus ganzem Herzen, daß die notwendige Einheit zwischen der zionistischen Organisation, die das jüdische Volk repräsentiert, und allen andern europäischen und amerikanischen Institutionen, die speziell die jüdische Finanzmacht vertreten, sich auf diesem Boden vollziehen möchte. Und wenn der Zionismus sich erst der Mithilfe aller großen jüdischen Organisationen versichert hat, wird sich die jüdische Einwanderung auf diejenigen Teile des ottomanischen Reichs konzentrieren können, die, wie Palästina, die vorteilhaftesten Bedingungen bieten. Es muß jedoch betont werden, daß diese Pläne sich nicht von heute auf morgen verwirklichen lassen, während die Notstände des jüdischen Volks sich von Tag zu Tag häufen. Es gibt unter unsern Brüdern unglückliche Entwurzelte, die sich verzweifelt auf jedes neu ankommende Schiff stürzen, ohne zu wissen, wohin sie gehen und was sie beginnen sollten. Für diese ist die sporadische Einwanderung eine Wohltat. Aber auch andere Kategorien von Einwanderern könnte die junge Türkei schon jetzt heranziehen. Sie könnte die jüdischen Künstler, Ingenieure, Gelehrten und son-