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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 273

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 273 (sequence 273)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 273 — dische Solidarität unverbrüchlich bestehen bleibt, wird der Antisemitismus zum Aussterben verurteilt sein. Und wenn es ein Land gibt, wo die jüdische Selbsthilfe nach dem Wunsche unseres verstorbenen Herzl wirksam sein wird, so ist dies die Türkei, denn die jüdischen Bewohner des türkischen Reichs können einen einheitlichen und unteilbaren Block bilden, der für das ganze jüdische Volk eine große moralische Stärkung bedeuten wird. Dies hindert freilich nicht, daß der wahre, national selbstbewußte Jude zu gleicher Zeit auch ein guter Ottomane sei, ein Ottomane in der vollen Bedeutung dieses Wortes. Der ruhelose, ewige Jude, der sich solange auf der Suche nach einem gastlichen Heim befindet, wird sicherlich, sobald er den belebenden Hauch der Freiheit einatmet, mit aller Kraft bestrebt sein, dieses Land zu seinem Vaterlaride zu machen, den Boden, der ihn liebevoll aufnimmt, mit kindlicher Liebe zu umfassen. Die Geschichte aller Völker beweist, wie sehr der Jude zu allen Zeiten seinem Adoptivvaterlande treue Liebe und rührende Anhänglichkeit bewahrt hat. Gibt es ein Land auf dem weiten Erdenrunde, das nicht mit dem Blute jüdischer Vaterlandsfreunde getränkt wäre? Wurde jemals ein Kampf für die Güter der Zivilisation ausgefochten, zu dem die Juden nicht Mitkämpfer und Helden geliefert hätten? Um nur die allerjüngsten Begebenheiten anzuführen, so waren die Juden in der Türkei das einzige nichtmoslemische Element, das sich mit den Jungtürken verband, um das hamidische Regiment, d. h. die Herrschaft des Terrors und der Tyrannei; zu bekämpfen. Es wäre ganz überflüssig, von den jüdischen Einwanderern erst zu fordern, daß sie gute ottomanische Vaterlandsfreunde werden sollten. Sie würden" es ohne jede Aufforderung sein. Ohne die aufrichtige Ottomanisierung würde die ganze Einwanderungsbewegung im höchsten Grade sinnlos sein, da ja in diesem Falle der Jude, der sein Geburtsland verläßt, um eine neue Zufluchtsstätte zu finden, weiter ohne Vaterland bliebe und die Verleumdungen der Judenfeinde rechtfertigte, die uns als vaterlandslos verschreien. Die zahllosen Anstrengungen und namenlosen Opfer, die die Wanderung der jüdischen Volksmassen im Gefolge haben, zielen ja bloß dahin, dem ewigen Juden endlich einen geschützten Erdeilwinkel zu geben, auf dem er sich heimisch fühlen kann und wo er das Gefühl hat, daß ihn niemand als Fremden und Eindringling behandelt. Wie wäre es nun möglich, dieses Ziel in der Türkei zu erreichen, ohne die unmittelbare und aufrichtige Ottomanisierung der einwandernden Juden? Meine Herren! Wenn ich bisher einige Vorbehalte machen mußte, weil ich in meiner Eigenschaft als Jude zu Ihnen sprach, t so ist ein Vorbehalt nicht angebracht, wenn man die Frage der jüdischen Einwanderung vom ottomanischen Gesichtspunkte prüft. 18

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