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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 272

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 272 (sequence 272)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476272--3302-3479443
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abspielen; in jedem Falle aber wird die Regierung, die Staatsgewalt, die Allgemeinheit niemals antisemitisch sein. Es gibt auch noch eine andere geheime Kraft, die eine eventuelle antisemitische Bewegung in der Türkei von vornherein zur Ohnmacht verurteilen würde. Und diese geheime Kraft ist nichts anderes als' die jüdische Solidarität. Jawohl, eine große jüdische Siedelung in der Türkei kann eine defensive Kraft haben, wie sie anderswo nicht denkbar ist. In der Türkei wird der Jude in kultureller und moralischer Beziehung seinen nationalen Charakter stets rein erhalten, weil der Einwanderer bei uns keine höhere Kultur antrifft, die seinen Geist beherrschen und in ihren Bann zwingen könnte. Weder die albanesische noch die armenische Kultur z. B. werden den Juden zu assimilieren und ihm seinen jüdischen Charakter und sein jüdisches Geistesleben zu rauben vermögen. Die Juden, die nach Deutschland, England oder Frankreich auswandern, werden mit der Zeit in kultureller und moralischer Hinsicht zu Deutschen, Franzosen oder Engländern. Sie denken, empfinden und handeln als Deutsche, Franzosen oder Engländer, mit einem Worte, sie assimilieren sich völlig, verlieren ihren jüdischen Charakter und erregen sehr oft die Verachtung der wirklichen Autochthonen ihres Adoptivvaterlandes, die in diesen Juden, die sich ihres Ursprungs schämen, mit Recht Fremdlinge ohne Selbstachtung sehen, bereit, ihr eigenes Ich, ihre Persönlichkeit zu verleugnen und preiszugeben, ungeschickte und verächtliche Schüler, die sie sklavisch, oft in kleinlicher Weise nachahmen. Bei uns kann von alledem nicht die Bede sein. In unserm Lande wird der Jude, so sehr er seinem innersten Wesen nach oltomanischer Staatsbürger werden wird, niemals Veranlassung und Neigung haben, sich in kultureller Hinsicht zu hellenisieren. Er wird nicht leicht in Versuchung geraten, seine Nationalität gegen die arabische oder kurdische zu vertauschen. Er wird in nationaler Beziehung immer Jude bleiben In der Türkei hat man von alters her die nationale Kultur alseine geheiligte Sache angesehen. Sie galt hier immer als Privatsache, die den Staat nichts angeht. In den regierenden ottomanischen Kreisen weiß man sehr wohl, daß das Vaterlund bei einer freien Entwicklung 'der nationalen Geisteskräfte der einzelnen Völkerschaften nur zu gewinnen hat, und daß das Reich, wenn die Juden in der Lage sein werden, sich frei zu entfalten, von ihrer Intelligenz, ihrem sittlichen Adel, ihrer treuen Anhänglichkeit und allen den vorzüglichen Eigenschaften, die den Schatz der jüdischen Volksseele ausmachen, den größten Nutzen ziehen kann. Wenn nun die jüdische Bevölkerung immer jüdisch bleiben wird, wenn die Assimilation ihr nichts anhaben kann, wenn sie nicht durch Parteiungen zerklüftet sein wird und die Bande der Brüderlichkeit in ihrer Mitte erhalten bleiben, kurz, wenn die jü-

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