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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 270

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 270 (sequence 270)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 270 — ^Einheit und Fortschritt" geschrieben hat, verzeichnet sehr eingehend die wirksame Mithilfe der fremden Israeliten in diesem Kampfe, die ja gar kein Interesse an der Befreiung der Türkei vom europäischen Joche hatten. Nach Einführung der Verfassung begrüßte die ganze jüdische Welt mit großer Freude den Anbruch der neuen Ära in der Türkei. Unsere moslemischen Mitbürger wissen sehr wohl, wie viele Juden aller Länder Turkophilen sind, genau wie auch wir wissen, wie viele Türken Philosemiten sind. Allerdings, all dies ist recht schön in der Theorie. Wenn wir ö / es aber in die Praxis umsetzen wollen, können wir Zweifel und Besorgnisse nicht unterdrücken. Und dann sehen wir kleine Wolken den Horizont unserer Zukunft verdunkeln. Fürwahr, das jüdische Volk wurde oft genug durch die bizarren Überraschungen des Antisemitismus enttäuscht. Unsere Feinde haben uns allzu oft selbst unsere Tugenden, die uns ihre Bewunderung und ihre Wertschätzung hätten zuziehen sollen, als Verbrechen'angerechnet. Die Betriebsamkeit, die Intelligenz, die treue Anhänglichkeit an das Vaterland, die bei andern Völkern Ruhmestitel bilden, sind uns gegenüber Motive des Hasses und der Verachtung. Die dehnbare Moral gewisser Kreise verdammt die Vivisektion, duldet aber gleichmütig die Niedermetzelung Tausender von unschuldigen Juden. Der Entrüstungsschrei der zivilisierten Welt machte die Mächtigen zittern und stürzte Ministerien wegen der als ungerecht empfundenen Verurteilung eines Ferrer. Und dieselbe zivilisierte Welt bleibt unbeweglich angesichts der entsetzlichen Pogrome und der ungezählten Hekatomben, die der Judenhaß alljährlich fordert. Alle Ungerechtigkeiten, alle Roheiten sind gerechtfertigt, wenn sie gegen menschliche Geschöpfe gerichtet sind, die den Namen Jude tragen. — Wir machen ja oft genug die Wahrnehmung, daß unsere eignen Brüder die schrecklichsten Antisemiten sind. Welcher Nichtjude könnte uns also die Gewähr bieten, daß er dem Übel des Antisemitismus gegenüber gefeit sei? — Gibt es nicht auch im Mond Antisemiten? fragte einst ein Humorist. — Wie können wir nun eine große, jüdische Einwanderungsaktion unternehmen, sei es auch nach der Türkei? Wer kann uns dafür bürgen, daß unter den verschiedenen Errungenschaften der Zivilisation, die die Türkei fortgesetzt aus Europa einführt, sich nicht auch die systematische Feindseligkeit gegen die Juden einschleichen wird, die von der europäischen Zivilisation unzertrennlich zu sein scheint? Zangwill stellt die Behauptung auf, daß der Antisemitismus der ständige Begleiter des Juden sei, dem Schatten vergleichbar, der einem überallhin folgt. In der Tat sehen wir bereits in der Türkei Leute, die das Schreckbild einer „jüdischen Gefahr" zeichnen, die sie fern am Horizont als düstere Wolke heranziehen sehen . . . . Und man appelliert bereits an die niedrigen Instinkte der Massen,

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