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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 269

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 269 (sequence 269)
Language
German, English, Hebrew
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— 269 — Die legendäre Toleranz der Türken ist überall bekannt, sie ist zu einem Gemeinplatz geworden. Aus ihr schöpfe ich mein erstes und entscheidendstes Argument zugunsten der jüdischen Einwanderung in die Türkei. Jawohl, diese Toleranz der Osmanen und die festen Bande der Freundschaft zwischen den Muselmanen und den Juden bilden für unsere Auswanderer den verlockendsten Anreiz. Was veranlaßt denn die Juden, ihr Geburtsland zu verlassen? Doch die Unduldsamkeit ihrer Bedrücker, die Geißel des Antisemitismus. Nun denn, da der Antisemitismus und die Intoleranz bei uns unbekannt sind, können die Juden vertrauensvoll zu uns kommen in der sichern Erwartung, daß sie hier Ruhe finden werden. Die Türkei hat Beweise ihrer musterhaften Duldsamkeit selbst in den alten Zeiten, zur Zeit der allmächtigen Kalifen geliefert, die den Christen außerordentliche Privilegien gewährten. Für die Juden war die Türkei mehr als tolerant; sie war ihr Schutzengel in den kritischen Zeiten unserer Geschichte, als der Geist der Inquisition, dessen Gifthauch ganz Europa erfüllte, Hunderttausende von Juden obdachlos machte. In den christlichen Ländern mag das gutmütigste Volk seine Sanftmut vergessen, wenn es sich um Juden handelt. Diese traurige Erfahrung haben wir im Verlaufe unserer Geschichte oft genug gemacht. Allein in den moslemischen Ländern, insbesondere in der Türkei, ist das Gegenteil der Fall. In der ganzen Christenheit sind die unwissenden Schichten der Bevölkerung allzu leicht geneigt, den Anstiftungen gewissenloser Judenfeinde Gehör zu geben, weil sie seit Jahrhunderten gewöhnt sind, in uns die Mörder des Stifters ihrer Religion zu sehen. Ein ebenso plumper und unsinniger Aberglaube hat die Wahnvorstellung eines Ritualraordes erzeugt. Dem ungebildeten Mann aus dem Volke gilt der Jude noch heute häufig genug als der Mann, der die kleinen Kinder zu religiösen Zwecken tötet. Derartiges ist in den Ländern des Islam undenkbar. Hier hat man uns niemals beschuldigt, Mohammed gekreuzigt zu haben. Niemals wurde hier die wahnwitzige Beschuldigung ausgesprochen, daß das Blut der Moslems zur Erzeugung unserer Mazzoth dienen könne. Es ist also unmöglich, daß sich in den Tiefen der moslemischen Volksseele die Keime eines Hasses gegen die Juden eingenistet hätten. Das antisemitische Gift findet hier keinen günstigen Nährboden. Überdies gibt es mannigfache historische, moralische und religiöse Bande, eine Verwandtschaft der Sitten und Bräuche zwischen den Juden und Türken, die uns vor dem Antisemitismus schützen. Dies wird durch zahlreiche Tatsachen bekräftigt, von denen ich nur eine anführe, die sich jüngst abgespielt hat, nämlich die wertvolle Hilfe, die die_ ausländischen Juden in Saloniki den Jungtürken in ihrem Kampfe gegen den Absolutismus angedeihen ließen. Ein albanesischer Geschichtsschreiber, der die Geschichte des Komitees

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