Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 262)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 262 — Weise leider nicht ändern, aber auch von der Idee, durch ein verbessertes Auskunftswesen dafür zu sorgen, versprechen wir uns nicht viel. Denn es ist außerordentlich schwierig, so genaue Details über die zukünftigen Industrien geben zu können, um die Leute zu veranlassen, ihr Geld in dieselben zu stecken. Jeder muß selbst für sich sorgen; wir können nur allgemeine Angaben machen. Die genauen Berechnungen müssen die Leute sich selbst schaffen. Wir haben bei unserm Palästinasyndikat gesehen, daß, wenn wir die Projekte genau ausgearbeitet hatten, es sich herausstellte, daß die Unternehmungen entweder nicht rentabel oder aber äußerst riskant sein würden. Die gleichen Erfahrungen werden auch die Privatleute, die hingehen, machen. Es ist nicht leicht, in Palästina neue Industrien einzuführen. Ich möchte aber Herrn Trietsch widersprechen, wenn er sagt, daß ich nicht genügendes Interesse hätte, da ich nicht an die Zukunft der Industrien glaubte, weil dort die Kohle oder Eisen fehlt. Selbstverständlich wird sich mit der Zeit eine Anzahl von Industrien dort schaffen lassen, aber die wichtigste Grundlage ist vorläufig noch die Verbesserung des Verkehrswesens. Erst müssen die Häfen und das Eisenbahnnetz ausgebaut werden, und namentlich müssen die Verbindungen mit den großen Absatzgebieten Ägypten und Nordsyrien in noch besserer Weise hergestellt werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Soweit die Industrie. Was die Frage der Verkehrsmittel betrifft, kann ich nur wiederholen, und es wurde diese Ansicht von den meisten geteilt, daß eine starke Beteiligung an den öffentlichen Arbeiten, speziell an den Verkehrsunternehmnngen, eine unserer wichtigsten Aufgaben der Zukunft ist, und daß dies die Sache ist, für die die Gelder, die ja, wie Herr Simon vorschlägt, langsam liquidiert werden sollen, zur Verfügung gestellt werden sollen. Selbstverständlich liegt mir und meinen Freunden nichts daran, die Bank in Wirklichkeit zu liquidieren, wohl aber sollten die Geschäfte in Europa auf ein Minimum eingeschränkt werden, um das Geld für größere Konzessionsunternehmungen freizubekommen, die bekanntlich stets bedeutende Mittel zu erfordern pflegen. Was die Organisation unseres Bureaus in Palästina betrifft, so sind da von verschiedenen Seiten Bemängelungen gemacht worden, und es ist sicherlich noch nicht alles vorzüglich, was wir da geleistet haben. Namentlich die Zersplitterung unserer Bureaus drüben ist sehr zu bedauern, und jedenfalls werden wir die ersten sein, die sich bemühen, nicht nur eine Einigkeit, sondern auch eine innere organisatorische Verbindung herzustellen. Aber auch da sind die Schwierigkeiten nicht zu übersehen. Wenn dagegen von 20 zionistischen Institutionen gesprochen wird, die dort alle vereinigt werden sollen, so ist eine solche Vereinigung absolut undenkbar. Sehr berechtigt sind auch die Beschwerden, die von Seiten der Poale Zion und speziell der Arbeiter in Palästina hier vorgebracht wurden. In der Tat ist die Arbeiterfrage eine der ernstesten Angelegenheiten. Nur ist sie außerordentlich schwer zu lösen. Nicht nur wir hier, sondern weit mehr unsere Vertreter in Palästina bemühen sich, hier bessernd einzugreifen. Es wird dies auch geschehen, aber Sie müssen Geduld haben. Wir können nicht alle Beschwerden der armen Arbeiter, die keine Häuser oder keine Arbeit haben,