Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 256)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 256 und es ist auch sehr leicht; bankerott zu werden. Dieser Gefahr wollen wir uns nicht aussetzen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Herr Motzkin, ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Ihre Zeit schon überschritten ist. Ich bitte Sie deshalb, sich kurz zu fassen und bald zu schließen. Delegierter Motzkin (fortfahrend): Meine Damen und Herren! Ich hoffe, Sie werden mir gestatten, gerade weil dies nicht die Ansicht der großen Majorität ist, meine Ansicht noch einige Minuten auszuführen. (Zustimmung.) Wenn wir mit dieser Propaganda des Zionismus weitergehen werden, dann werden sich die Kongresse bald als völlig überflüssig erweisen. (Beifall.) Wozu brauchen wir noch Kongresse? Wozu brauchen wir noch eine Propaganda und irgendwelche Demonstrationen? Wozu brauchen wir noch immer in dieser Weise zu sprechen, während wir doch einfach sagen sollen, wir verwenden unsere Kraft einzig und allein auf die praktische Arbeit in Palästina, verwenden wir, soviel wir können, für Palästina, richten wir dorthin unsere Kraft, aber zu gleicher Zeit wollen wir kein Moment außer acht lassen, indem wir die Propaganda als das Hauptmoment unserer Arbeit betrachten, indem wir an das jüdische Volk einen Appell nach dem andern richten. Gerade der jetzige Zeitpunkt ist geeignet, auf die große Bedeutung der Organisation hinzuweisen. (Beifall.) Sie wissen alle, wenn hinter uns das gesamte jüdische Volk stände, könnten wir in Konstantinopel eine ganz andere Vertretung haben, — ich meine nicht im Sinne von Personen, — da könnten wir in Konstantinopel eine Sprache reden, die gehört werden müßte, und dazu müssen wir doch das jüdische Volk haben. Wer von Ihnen gibt sich denn der Täuschung hin, daß, wenn wir im Lande schon 20000 jüdische Bauern haben werden, daß dies schon die Sprache sein wrird, die wir reden müssen. Gewiß, wir müssen 20 000 jüdische Bauern und noch mehr haben, nämlich für das jüdische Volk, weil dasselbe noch nicht das Verständnis hat, um zu verstehen, was der Zionismus bietet, weil es das Problem noch nicht gründlich erfaßt hat. Daher müssen wir alle' Mittel und auch dieses große Mittel der Propaganda in Betracht ziehen. (Erneuter lebhafter Beifall.) In erster Linie ist Palästina ein großes Propagandamittel, und die ganze Kolonisation dort ist nur ein Propagandamittel für das jüdische Volk. Folglich müssen wir in diesem Sinne handeln; aber dem jüdischen Volke müssen wir immer klar machen, daß es seine Schuldigkeit nicht erfüllt, und daß es dieselbe auch dann nicht erfüllt, wenn es mit Groschen kommt, die es für die Palästinaarbeit hingibt. Lullen wir das jüdische Volk nicht in den Glauben ein, wenn es für die jüdische palästinensische Kolonisationsarbeit einige Groschen gibt, daß es für den Zionismus eintritt. Der Zionismus ist die gesamte Arbeit, und ohne dieselbe werden wir das jüdische Volk nicht gewinnen und den Zionismus nicht erreichen können. Darum, geehrter Kongreß, beschließen wir auch, und zwar mitKecht, etwas Praktisches, Großes und Einheitliches, wie z. B. die Schaffung eines Agrarkredits und den Versuch einer genossenschaftlichen Kolonisation in Palästina. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir von hier weggehen und immer wieder auf den Zionismus als Gesamtarbeit zurückgreifen müssen, daß wir sagen: Zurück zum Zionismus! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)