Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 255)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 255 — muß um so mehr betont werden, als bereits der Zionismus auf dem Wege ist. in einen Palästiiiismus überzugehen. Es war für mich oft traurig, in der ^einzigen, dem Zionismus geneigten Zeitung in Kußland die jüdisch-deutsche Mundart zu lesen. Sie gab dem Neunten Zionistenkongreß den Titel: Der jüdische allgemeine Kongreß für Palästina. Der Zionismus ist also begraben, und es besteht nur die Palästina arbeit. Die Gefahr geht aber noch weiter; nicht weil die Palästinaarbeit nicht zu uns gehört, sondern weil sie unsern Zionismus nicht erschöpft, darum ist die G-efahr groß, daß wir uns allmählich tatsächlich vom Boden unserer gemeinsamen Anschauungen auf den Boden einer einzigen Arbeit begeben werden. Es wird mit Pecht nach einiger Zeit die Frage aufgeworfen werden, wenn Sie sich nur mit der Palästinarbeit befassen, und wenn das Ihr Problem erschöpft: Warum wollen Sie nicht auf Ihren Kongressen alle diejenigen Elemente heranziehen, die auf der Palästinaarbeit stehen, ohne auf zionistischem Boden zu stehen, die nicht den gesamten Komplex Ihrer Anschauungen teilen, sondern die allein die kolonisatorische Arbeit in Palästina entwickeln wollen V Nach einiger Zeit werden wir nicht in der Lage sein, ihnen eine Antwort zu geben, wenn der Zionismus sicli dahin bewegen sollte, daß er einzig und allein mit der Palästinaarbeit zusammenfallen sollte. Für mich bleibt auch jetzt der Zionismus die Grundlage, das heißt also, die propagandistische Arbeit in dem Sinne, daß das jüdische Volk für den Zionismus gewonnen werden soll und Palästina als Mittel dazu, allerdings in diesem Momente als das Hauptmittel, an dem wir mit dem größten Vergnügen arbeiten können. Aber es ist Hinein Mittel, und wir verzichten durchaus nicht auf alle andern Mittel, die im Zionismus enthalten sind. Ferner wurde davon gesprochen, wir sollen aus unsern 8 Millionen 80 Millionen schaffen, wie Dr. Pasmanik sagte. Damit meinte er, daß wir diese 8 Millionen in Palästina verwenden sollen, und zwar in dem Sinne, daß sie weiter bestehen sollen. Dagegen wird niemand unter uns etwas einzuwenden haben, aber das Wichtige ist, daß wir auch weiter existieren sollen: denn so wenig auch 8 Millionen sind, ohne sie haben war noch viel weniger, und ohne dieses Symbol werden wir auch nicht die großen Summen bekommen. (Beifall.) Wie denken Sie sich eigentlich, daß diese großen Summen Zustandekommen sollen? Herr Dr. Pasmanik hat doch nicht gemeint, daß man durch Spekulationen aus 8 Millionen 80 Millionen machen soll! Meint er, daß alle Elemente, die der kolonisatorischen Arbeit in Palästina zustimmen, dies sichern sollen? Sicher sind auch wir dafür. Aber das ist nicht der Zweck seiner Anträge. Der Zweck seiner Anträge besteht ja darin, daß wir ohne Rücksicht darauf, ob die 8 Millionen, die wir in unsern beiden Instituten besitzen, auch weiterbestehen, alles unternehmen sollen, was uns im gegenwärtigen Moment erforderlich erscheint. Da muß ich sagen, dies erscheint mir als ein sehr gefährliches Experiment. (Sehr richtig!) Wenn wir im Hintergrunde dieses wenn auch kleine Instrument besitzen, können wir gleichzeitig auch Instrumente schaffen, die das leisten sollen, was Herr Dr. Pasmanik beabsichtigt. Aber wenn wir auch dieses Instrument von vornherein zertrümmern und zerstören, dann ist uns jede Möglicheit auch leicht genommen,