Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 257)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter Trietsch: Geehrter KongTeß! Zu den Materialien, die ich hier zu beantworten habe, hat Herr Motzkin in letzter Minute noch einiges hinzugegeben, und ich bin in der unangenehmen Lage, auch darauf antworten zu müssen, weil nach mir kein Generalredner mehr kommt. Herr Motzkin hat sich gegen den ausschließlichen Palästinazionismus gewendet. Betrachten Sie gefälligst unser Programm und das Endziel. Beides heißt Palästina, dazu sind die Mittel, dazu die Organisation, dazu die Kultur. Alle diese Mittel sind in unserm Programm nur Mittel zum Palästinazweck. Dazu werden die Gelder gesammelt, dazu ist auch die Propaganda. (Zustimmung.) Sie mögen sich auf den Standpunkt stellen, das sei nicht gut. Dann ändern Sie das Programm. Wenn Sie aber das Programm nicht ändern wollen, dann leugnen Sie nicht das absolute Vorwiegen des Palästinazweckes aus ihm heraus! Denn was werden wir damit erreichen! Es sind genug Leute unter uns, gute Gesinnungsgenossen in mancher Beziehung, die uns wieder auf jene frühern Zeiten zurückschrauben möchten, wo mau immer wieder Propaganda machte und Gelder sammelte. Aber von Palästinaarbeit war so wenig zu sehen, daß wir, obwohl es in den letzten paar Jahren besser geworden ist, noch nicht weiter stehen als bei einem kleinen Anfang. Also entweder erkennen Sie unser Programm an, dann erkennen Sie das Vorwiegen des Palästinazweckes an, oder Sie gehen auf das Zurückschrauben des Zionismus ein, auf die Zeit der kleinsten Palästinaarbeit, dann ändern Sie das Programm. Ich beclaure sehr, daß ich hier in Abwesenheit derjenigen zu sprechen habe, gegen die ich sprechen muß, in allererster Linie in Abwesenheit des Herrn Wolffsohn. Es könnte das Mißverständnis entstehen, als ob ich Herrn Wolffsohn persönlich etwas Unangenehmes sagen wollte. Das ist durchaus nicht der Fall. Wir mögen von Herrn Wolffsohn gedacht haben, wie immer, auch wie klein immer, wir haben uns gewöhnt, durch seine Arbeit bis zu einem gewissen Grade Respekt vor ihm zu bekommen. Er hat sich bei seiner Arbeit wesentlich mehr entwickelt, als viele früher gedacht haben, und ich erkannte es in einer frühern Sitzung an und wiederhole es hier. Ich sage das jetzt, damit ich nicht mißverstanden werde, wenn ich auf die Erklärung des Herrn Wolffsohn zurückgreife, die er dieser Tage uns gegeben hat und die unsere gesamte Lage einigermaßen ändert. Wir sprechen hier nicht zu unserm Spaß, und es ist ein Unterschied, ob wir hier in der Diskussiou erst darauf hinarbeiten müssen, daß die Leitung geändert wird, weil wir glauben, es ist notwendig, diese zu ändern, oder ob wir in der Diskussion schon mit der Tatsache zu rechnen haben, daß die bisherige Leitung geändert wird. (Unruhe.) Herr Wo Iffsohn hat uns wiederholt in allem Ernst erklärt, — ich möchte fast sagen, mit Feierlichkeit—, daß er eine Wiederwahl in das Präsidium für den nächsten Termin nicht annimmt. Ich lasse dabei die Eventualität offen, daß er beim zweiten Termin oder für den gegenwärtigen Termin für den Teil der Leitung wieder in Frage kommt, für den ihm der Kongreß das Vertrauen schenkt; aber ich rechne damit und hoffe, daß der Kongreß sich selbst genügend respektiert, um mit der wiederholten Äußerung von Herrn Wolffsohn zu rechnen. 17