Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 254)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 254 — Umstände kam es, daß wir' unsere diplomatischen Ideale nicht erreichton. Wir müssen aber anerkennen, daß vom Zionismus das Möglichste für die Entwicklung in Palästina getan wurde. Man muß anfangen, mit der praktischen Arbeit, mit der Unterstützung der P. L. D. C. . . . Vizepräsident Dr. Bodeuheimer (unterbrechend): Herr Delegierter, ich sehe Sie eine Arbeit verlesen, die Sie vorbereitet haben. Ich mache Ihnen nur einen Vorschlag. Bei der hier herrschenden Unruhe ist es unmöglich, den Sinn Ihrer Ausführungen voll zu erfassen. Wollen Sie nicht so freundlich sein, den Aufsatz dem Preßbureau zu übergeben, welches dann in geeigneter Weise Ihre Anregungen berücksichtigen wird Vielleicht wäre es besser, wenn Ihre Anregungen in der „Welt" erscheinen würden. (Delegierter Dr. Steiner: Einverstanden!) Ich danke dem Herrn Dr. Steiner für sein freundliches Entgegenkommen. Delegierter Motzkin (mit Beifall akklamiert): Hoher Kongreß! Das große Ereignis, welches zwischen dem Achten und Neunten Zionistenkongreß in der Türkei vorgefallen ist, hat zweifellos auch in verschiedenen Teilen der Zionisten eine Wandlung geschaffen, eine Wandlung in bezug auf ihre Anschauungen gegenüber der Arbeit in Palästina. (Lebhafte Unruhe — Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte um Ruhe für den Redner.) Ich erkläre es unzweideutig, daß auch auf mich, auf einen derjenigen, die von Anfang an und heute noch auf dem Boden des politischen Zionismus arbeiten, diese Ereignisse einen ungeheuren Eindruck gemacht haben. Aber zu gleicher Zeit habe ich auch die Gefahr eingesehen, welche mit dieser Wandlung verbunden ist. Warum eigentlich ist diese Wandlung in einem Teile der Zionisten eingetreten? Weil sie sich sagten, daß eine Arbeit in Palästina unter den gegenwärtigen Verhältnissen sie nicht mehr in die Gefahr versetzt, eine Verantwortung zu übernehmen, welche sie früher nicht hätten übernehmen können; weil sie sich sagten, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Arbeit in Palästina die jüdischen Masen nicht in eine schlechtere politische Lage versetzt und eo ipso nicht zum Widerspruch herausfordert. (Lebhafte Unruhe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Ich bitte die Delegierten, nicht fortwährend herumzugehen, das stört ungemein. Delegierter Motzkin (fortfahrend): Die Psychologie der jüdischen Massen, welche sehr wesentlich für die Besiedlung Palästinas in Betracht kommt, war absolut nicht konform jenen Verhältnissen, die in der Türkei zu jener Zeit bestanden, als wir am Achten Kongreß diese Frage behandelten, und es konnte die Gefahr bestehen, daß eine solche Besiedlung unerfüllbare. Hoffnungen erwecken könnte, welche Enttäuschung im Zionismus hervorrufen müßten. Diese Psychologie steht jetzt gegenüber den Tatsachen anders da, aber anderseits täuschen wir uns auch jetzt nicht darüber. Kann man auch in Palästina arbeiten, so folgt daraus noch nicht, daß man so arbeiten kann, wie gearbeitet werden muß, und zwar aus den Hauptgrunde, daß wir das jüdische Volk noch nicht besitzen, und ich bin nicht der Ansicht, daß man es einzig und alleiu durch die Arbeit in Palästina gewinnen kann. (Zustimmung.) Das