Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 240)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3270-3479411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 240 — die Mittel der Bank seien flüssig und aus der Flüssigkeit der Mittel ergebe sich die geringe Rentabilität. Er sagte weiter, daß die Flüssigkeit dieser Mittel notwendig wäre: 1. weil wir für unsere Toehterinstitute Rücklagen brauchten, wie z. B. für den Fall eines Run, wie er vor einigen Jahren in Jaffa stattfand, 2. für die Erwerbung von Konzessionen. Diese beiden Begriffe widersprechen sich. Entweder man braucht das Geld, um gegen einen Run gesichert zu sein, dann darf man es nicht in Konzessionen festlegen, oder man erkennt die Notwendigkeit der Erwerbung von Konzessionen an und bemüht sich für sie, dann ist man von der Sicherheit unserer Tochterinstitute so sehr überzeugt, daß jeder Gedanke an einen Run von vornherein wegfallen muß. Nun ist das mit einer Liquidation eine eigene Sache. Herr Dr. Katzenelsohn, der die Bank ganz genau kennt, und ich kenne nicht die einzelnen geschäftlichen Transaktionen der Bank und muß daher in meinen Ausführungen, soweit es sich um eine Kritik der einzelnen Unternehmungen handelt, außerordentlich vorsichtig sein, weil wir auf diesem Kongreß nicht die Möglichkeit haben, in Form einer Aktionärversammlung über diese Angelegenheit zu sprechen, kann also nur eine allgemeine Kritik üben, Herr Dr. Katzenelsohn wird mir zugeben, daß es mit einer schnellen Flüssigmachung noch so anscheinend flüssiger Mittel eine eigene Sache ist. Ich glaube, man wird sie flüssig machen können. Denn Herr Katzenelsohn ist ein tüchtiger Mann und wird die Gelder so angelegt haben, daß man sie allmählich wird flüssig machen können. Immerhin ist zu wünschen, daß man uns von dem letzten Rest einer Besorgnis befreit, als ob etwa doch die Flüssigmachung dieser Mittel mit Schwierigkeiten verbunden sei, und daß man also jetzt daran geht, sie flüssig zu machen, damit man sie in dem Augenblicke, wo man sie braucht, auch in Wahrheit disponibel hat. Da ist z. B. unter den Debitoren ein Korrespondentenloro, das am 31. Dezember 1908 einen Posten von 80000 £ ausweist. Das ist 1,6 Millionen Mark. Es handelt sich um Kredite, die man gegeben hat. Selbst wenn diese Kredite auf einer absolut sichern Basis beruhen und prima sind, so weiß man, daß das Geld nur allmählich hereinfließen kann. Wenn — und das ist der rote Faden, der sich durch meine Ausführungen zieht — wirklich der Moment kommen kann, wo man das Geld braucht, beginnen wir jetzt mit der Liquidation, weil eine Fortführung dieser Art Geschäfte nutzlos ist. Die gegenwärtigen Leiter der Bank haben aber diese Frage, die so klar ist .... Vizepräsident Stand (unterbrechend): Ich mache den Herrn Redner darauf aufmerksam, daß seine Zeit um ist. Delegierter Dr. Katzenelsohn: Ich möchte sehr bitten, den Redner aussprechen zu lassen. (Lebhafte Zustimmung). Delegierter Simon (fortfahrend): Die gegenwärtigen Verwalter der Bank aber — das muß jedermann, der die Ausführungen des Herrn Dr. Katzenelsohn gehört hat und die Bilanzen begreift, zugeben —betrachten es als Hauptaufgabe, das Geld aufzuspeichern. Sie sind der Meinung, daß man am wenigsten riskieren wird, wenn man nichts damit unternimmt. Es kann das Moment kommen, wenn wir diese Taktik fortsetzen, von dem heute morgen Herr Dr. Oppenheim er bezüglich des Nationalfonds sprach, daß er eines