Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 238)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 238 — Nun wissen wir, und Katzenelsolin hat dies auch gesagt, daß man überhaupt von vornherein bei der Jüdischen Kölonialbank der Ansicht war, sie dürfe nicht rein geschäftsmäßig vorgehen, wie die Ä. P. C, die lediglich von dem Gedanken geleitet wurde, ihre geschäftliche Position auszubreiten, den Kredit zu stärken, das Vertrauen zur Leitimg zu erhöhen, die Rentabilität auf steigender Basis zu führen, sondern man war der Meinung, daß der J. C. T. die Gelder flüssig halten müsse für irgendwelche politischen Zwecke. Ich werde mich nicht in eine Kritik dieser früheren Auffassung einlassen, daß diese Gelder bestimmt seien, politischen Zwecken zu dienen. Ich möchte aber auf die Mängel dieser Auffassung im allgemeinen hinweisen. Eine Bank kann meiner Ansicht nach nur dann als Bank ernst genommen werden, wenn sie sich von keinen andern Prinzipien leiten läßt, als von denen der Banktechnik. Dann aber kann unsere Bank ebensogut wie jede andere Bank gute Dividenden bezahlen bei den Kräften, die uns zur Verfügung stehen. Warum sollten wir zweifeln an dein Worte Herzls, daß die Juden eine Bank machen können? Dann müßte sie so gut wie jede andere Bank gemäß ihrem Aktienkapital über ein Vermögen verfügen, das unter tüchtiger Leitung immer mehr Geld an sich ziehen würde. Dies würde wieder die Rentabilität der Unternehmung mehr und mehr sichern und wir würden auf eine ruhige, geschäftsmäßige Entwicklung hinweisen können. Der Effekt wäre, wenn wir' so gearbeitet hätten, daß das Vertrauen zur geschäftlichen Tüchtigkeit unserer Leitung solcherart zugenommen hätte, daß auch die Aktien der Jüdischen Kolonialbank gekauft wordenwären-, um Dividenden daraus zu ziehen, und nicht, um sie ä fond perciu zu erwerben. Das wäre der Effekt gewesen, wenn wir die Sache vom kaufmännischen Standpunkte behandelt hätten. Wir müssen die Aktien der Bank kaufen, nicht nur weil wir Zionisten sind, sondern weil wir nicht zögern dürfen, Geld bei der jüdischen Bank anzulegen, statt bei einer andern Bank. Wir würden heute nicht über 250000 £ verfügen, sondern über mehr als das Zehnfache, und wir hätten mehr anderes Kapital herangezogen,- nicht die lächerliche Summe von 600 000 Frs. wäre als Summe der Depositen und Scheckkonti auf der Bank, sondern eine ungeheure Summe. Man hat nicht verstanden, daß die disponibeln Mittel einer Bank nicht die rein greifbaren oder die in englischen Konsols angelegten Werte bedeuten, sondern daß die Mittel einer Bank in dem Aufbau der Bank und in ihrem geschäftlichen Kredit beruhen, den sie besitzt. Es genügt dies zur Kennzeichnung der Situation und ist zur Formulierung dessen, was folgen wird, notwendig. Ich muß die Entwicklung der Bank dargestellt wissen, obgleich es heute zu spät ist, aus dieser Angelegenheit noch praktische Konsequenzen zu ziehen. Wenn man aber als Aufgaben der Bank betrachtet, daß sie keiue Geschäfte zu machen, sondern ihr Geld lediglich für irgendeinen Zweck, liquid zu halten hat, dann hätte man unsere Bank nicht zur Farce einer Bank erniedrigen dürfen. Es ist eine geschäftliche Absurdität, meine Damen und Herren, folgende zwei Begriffe miteinander zu vereinigen : die mündelsichere Anlage und die geschäftliche Rentabilität. (Zustimmung.) Wir haben vorgestern von Herrn Wolff söhn gehört, daß er einen