Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 232)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 232 — auch die übrigen 10000 Frs. keine so große Rolle spielen, so könnten sie doch bei der Vereinigung unserer Bewegung besser dienlich sein. Ich frage Sie, ob Sie jetzt eine Vorstell'nng davon haben, wieviel Zeit jedes .der Institute zur Arbeit verwendet? Diese Frage ist nicht so unrichtig. In jedem Bureau sitzen Beamte, welche nicht mehr als zwei bis drei Stunden täglich arbeiten. Würde man alle Bureaus vereinigen, so könnten sie Arbeit für den ganzen Tag finden, und durch die Vereinigung kann dann mehr geleistet werden. Aber es ergeben sich jetzt auch praktische Mißstände. Jemand will z. B. von uns erfahren, welches Stück Land er kaufen könnte zu dem und dem Zwecke und zu welchem Preise solches Land vorhanden sei. Er fragt nun bei einem Bureau an, dieses erteilt ihm eine Auskunft; er fragt bei einem zweiten Bureau an, dort bekommt er eine Mitteilung, die von der Mitteilung des ersten Bureaus abweicht. Er kann sich also keine Meinung bilden und fährt nach Jaffa, zur Stadt der jüdischen Bureaukratie. Wenn er sich an den Leiter, der Rosabrillen trägt, wrendet, so erzählt ihm dieser die schönsten Sachen. Aber jemand sagt im Rate, was hören Sie einen solchen Menschen! Er hat mir schon so viel Unglück gebracht. Grehen Sie in das Bureau B. Der Mann geht dorthin und hört: Was, Land wollen Sie kaufen? Ohne Prozesse kann man in Palästina kein Land erwerben! Da denkt sich der Betreffende, wer sagt eigentlich die Wahrheit hier. Er geht nun schon in das dritte Bureau C, aber auch dieses kann ihm keine genaue Auskunft geben. Es sagt, die Sache müsse wissenschaftlich studiert werden. Dazu müssen gewisse andere Funktionäre noch gefragt werden. Es wird dazu noch eine Sitzung veranstaltet. So ist es mit einzelnen und auch mit G-ruppen, die in der Absicht hingehen, etwas zu leisten und die mit zugemachten Taschen wieder nach Hause zurückkehren. (Sehr richtig!) Das wird mir jeder bestätigen, der einmal nach Palästina gefahren ist. Wäre es nicht besser, wenn ein Auskunftsbureau für Palästina vorhanden wäre, welches so ausgestaltet würde, daß es immer schriftlich oder auch nur mündlich eine Mitteilung macht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist nicht einmal vorgekommen, daß Leute, nachdem sie einige Bureaus angefragt haben, durch einen Privatvermittler sich Ländereien angekauft und sich gewundert haben, warum die speziellen Bureaus sie in dieser Hinsicht nicht unterstützt haben. Ein großes, gut ausgestaltetes Information sbure au ist eine von den größten Nöten für Palästina und für die Vergrößerung der Kolonisation. Aber wir haben noch andere Fragen außer dem Landkauf. Das ist nur eine Aufgabe des zukünftigen Zentralbureaus. Die andern Arbeiten sind Informationen zum Zwecke der Ubersiedlung. Verschiedene Arbeiter, verschiedene freie Organisationen, Arzte, Advokaten fragen an imd bekommen keine richtige Antwort. Die Ankündigung, welche in der „Welt" gegeben wird, kann ich, was den Ärztestand anbelangt, nicht als vollständig der Wahrheit entsprechend bestätigen. Die Anleitung, welche durch die Zeitung gegeben wird, erweckt falsche Vorstellungen, und die Leute, welche in Palästina wohnen, lachen nicht einmal, wenn sie diese Auskünfte in der „Welt" lesen. Ein Bureau, welches genug kompetent sein sollte, würde immer von