Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 229)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 229 — Palästina überführen. Er soll versuchen, Konzessionen zu erhalten, soll überhaupt auf breiter Grundlage arbeiten. Er soll eine gewisse Summe den jüdischen Arbeitern leihweise zur Verfügung stellen, damit sie in die Lage versetzt werden, in den bestehenden jüdischen Kolonien Arbeiterkolonien zu bilden. (Bravo, bravo!) Dr. Bodenlieimer (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich werde mich in eine Polemik mit den Rednern, die soeben gegen den Nationalfonds einige Vorwürfe erhoben haben, nicht einlassen. Ich habe in meinen allgemeinen Ausführungen dargelegt, welchen prinzipiellen Standpunkt ich vertrete, und ich glaube, daß ich bezüglich dieser Ausführungen den Beifall des Kongresses gefunden habe. Dieser prinzipielle Standpunkt deckt sich auch im großen und ganzen mit dem Standpunkt, den die Herren in Palästina selbst anscheinend einnehmen. Die Herren erheben nur dagegen Vorwürfe, daß die Aufgaben in Palästina nicht richtig ausgeführt, nicht richtig erfüllt werden. Wir haben zur Erreichung unserer Zwecke in Palästina das Palästinaamt eingerichtet, und für uns ist das Palästinaamt, an dessen Spitze Herr Dr. Ruppin steht, die Behörde, mit welcher wir verkehren und die uns über die Zustände und Vorgänge in Palästina unterrichtet. Dieser Behörde erteilen wir unsere Instruktionen. Es wird nun hier von dem Vorredner behauptet, daß die Erklärung nicht zutreffe, daß bei dem Häuserbau in Jaffa, (Ruf: auch Haifa!) — ich spreche nur von dem, worüber der Vorredner gesprochen hat; was Sie vorbringen, weiß ich ja nicht — daß bei dem Häuserbau in Jaffa nur 10°/o jüdischer Arbeiter beschäftigt worden seien. Nach unsern Informationen ist dies nicht richtig. Ich habe hier den Brief des Palästinaamts in dieser Angelegenheit vom 14. Dezember 1909. Dieser Brief ist die Folge einer Anfrage, die wir an das Palästinaamt in dieser Angelegenheit gerichtet haben, nachdem uns von anderer Seite mitgeteilt worden war, daß gewisse Schwierigkeiten entstanden seien. Dieser Brief lautet (liest): „Im Besitze Ihres werten Schreibens vom 6. Dezember erwidern wir hinsichtlich der Beschäftigung von jüdischen Arbeitern beim Bau von Achuzath Baith ergebenst: Es standen sich im Anfang zwei Auffassungen gegenüber. Nach dereinen Auffassung durften bei dem Bau nur Juden beschäftigt werden. Nach der andern Auffassung sollten Juden insoweit beschäftigt werden, als es irgend möglich war, ohne die Arbeit zu verzögern oder zu verteuern. Von dieser Seite wurde geltend gemacht, daß es unmöglich sei, in Jaffa die zum Bau erforderlichen ca. 300 Maurer, Tischler, Handlanger usw. unter den Juden zu finden. Tatsächlich gibt es in Jaffa, nicht 300 jüdische Bauhandwerker. Insbesondere gibt es nur sehr wenig jüdische Maurer, während Tischler imd Klempner, Handlanger, Glaser usw. unter den Juden zu finden sind. Das Hebräische Gymnasium hat sich die Beschaffimg von jüdischen Arbeitern Geld kosten lassen. Es hat jüdische Maurer aus Jerusalem kommen lassen und hat erreicht, daß bei dem Bau des Gymnasiums nur jüdische Arbeiter beschäftigt sind. Die andern Hausbesitzer wollten sich aber zur Aufwendung dieser Mehrkosten nicht entschließendagegen nahmen sie jüdische Arbeiter aus