Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 228)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 228 — sämtliche Juden wünschen, nicht sehr lange vereinsamt zu sein. Sie wünschen^ ihre verlorengegangenen Brüder dort zu sehen. Ihre erste heiligste Pflicht ist es, nach Palästina zu kommen; nicht nur, um dort zu frühstücken, zu mittagmahlen und zu nächtigen, sondern sich ganz und voll in Palästina auszuleben. Das ist die Aufgabe aller Zionisten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Aronowitsch-Palästina (Jargon): Uber Palästina ist sehr viel gesprochen worden, und tatsächlich sehen wir viel Licht in Palästina. Aber dieses Licht stammt von der Ica, den Chowewe-Zion, Eothschild, von fremden Organisationen, aber nicht von uns. Die zionistische Organisation hat sehr viel im Golus getan, aber noch nichts für Palästina. Der Nationalfonds hat begonnen, in Palästina zu arbeiten. Seine Aufgabe ist es, Land zu kaufen. Natürlich müßte er dort kaufen, wo er für wenig Geld große Strecken erwerben kann. Statt dessen hat er teures Land angekauft. Er müßte natürlich nur von Nichtjuden kaufen, er hat aber nur von Juden gekauft. Dann hat er die Häuserbaugesellschaften unterstützt. Ich bin nicht der Meinung,, daß er das überhaupt durfte, jedenfalls aber hätte man verlangen dürfen, daß er zur Bedingung macht, daß bei diesen Bauten nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Das ist nicht geschehen. Nur 10°/o der Arbeiter waren Juden. Nun gibt es Leute, Vorsteher unserer Institutionen in Palästina, die behaupten, es gebe nicht genug jüdische Arbeiter für diesen Zweck. Das ist nicht richtig. In Jaffa und Jerusalem gibt es einen ausgezeichneten jüdischen Arbeiterstand, geschickt für Arbeiten aller Art. Sie sind vielleicht nicht so billig, wie die nichtjüdischen Arbeiter, sie sind nicht so knechtisch, sie stellen vielleicht größere Ansprüche. Aber sie sind unsere Arbeiter, die Träger unserer Zukunft, das Material, mt dem wir rechnen müssen. Die zionistische Organisation muß die jüdischen Arbeiter in Palästina unterstützen. Sie muß die Mittel zum Bau von Arbeit er Wohnungen zur Verfügung stellen. Man sagt: Wir haben keine Mittel. Das Geld, das für die Unkosten der russischen Reise unseres Präsidenten erforderlich war, hätte genügt, um einen guten Anfang für die Unterstützung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu bilden. (Unruhe.) Wir verlangen, daß eine Zentralinstanz in Palästina gebildet wird, bestehend aus den Vertretern der verschiedenen zionistischen Institutionen in Palästina, aus den Vorstehern der einzelnen jüdischen Organisationen und den Vertretern der Arbeiterschaft. Und der gewählte Vorsitzende dieser Instanz soll Mitglied des E. A. C. sein. Vizepräsident Stand (unterbrechend): Herr Delegierter, Ihre Zeit ist um. (Rufe: Weiterreden!) Diesen Ausdruck muß ich auf das schärfste rügen. Der Präsident ist Herr des Kongresses, das Weitere hängt also von mir und nicht von Ihnen ab. Ich rüge diesen Ausdruck „Weiterreden!" als unqualifizierbar, da es meine Sache ist, zu entscheiden. Der Kongreß hat zehn Minuten beschlossen, ich ersuche daher den Redner, sich kürzer zu fassen; wenn nicht, hat er das Recht, an den Kongreß zu appellieren, aber irgendwelche Herren vom Kongreß haben nicht das Recht, zu rufen: Weiterreden! Wenn es aber jemand sagt, so haben Sie es, Herr Delegierter, nicht zu hören, denn niemand hat hier dreinzureden. Delegierter Aronowitseh (fortfahrend): Ich verlange ferner, der Nationalfonds soll weiter Boden in Palästina erwerben, ihn parzellieren und jüdischen Arbeitern in Erbpacht geben. Der J. C. T. soll sein ganzes Kapital nach