Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 223)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 223 — französisch geschrieben ist, weiß ich keinen bessern als imsern Präsidenten Herrn Dr. Nord au selbst, um es richtig und gut zu übersetzen. Ich bitte Herrn Präsidenten Dr. Nord au, die angestrichenen Stellen zu verlesen und zu übersetzen. Präsident Dr. Nordau: Ich habe in der Hand eine mit der Schreibmaschine hergestellte Denkschrift der Allgemeinen Jüdischen Kolonisationsorganisation in Berlin, betreffend die Einwanderung und Ansiecllung der Israeliten in den Ländern des ottomanischen Eeiches. Ich will also der Einladung des Herrn Präsidenten Wolffsöhn entsprechend nur die Stellen lesen und Ubersetzen, die angestrichen sind. Hier heißt es (liest französisch und übersetzt): ^Denkschrift der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations'organisation. Bericht der Allgemeinen Jüdischen Kolonisationsorganisation in Berlin, betreffend die Einwanderung und Ansiecllung der Israeliten im ottomanischen Reiche." „Eine Gesellschaft hat sich gebildet, um das Werk der Einwanderung als Wohltätigkeitsveranstaltung zu fördern und den Einwanderern außer Amerika möglichst andere weite Ländergebiete zu erschließen, und zwar am besten im Morgenlande im weitesten Sinne des Wortes." Dann weiter: „Die Allgemeine Jüdische Kolonisationsorganisation verfolgt lediglich menschenfreundliche Absichten mit Ausschluß aller politisch-nationalen und Parteitendenzen". „Wir verlangen, ehe wir unser Werk unternehmen, keinerlei besondere Begünstigung politischer oder nationaler Natur. Wir denken in keiner Weise daran, die Autonomie in einem Teile des Reichs für eine israelitische Bevölkerung zu verlangen, die noch nicht vorhanden ist." Ferner: „Was das Gebiet betrifft, so wollen wir die Ein Avancierung und die Ansiecllung unserer Glaubensgenossen durchaus auf keine besondere Gegend des ottomanischen Reichs beschränken, sondern sie nach den verschiedensten Gebieten lenken." „Die Vorstände einer großen Anzahl jüdischer Gemeinden der Welt gehören unserm Hauptaufsichtsrate an. Die israelitischen kapitalistischen und philanthropischen Kreise sind bereit, einesteils die Summen auf Verlust aufzuwenden, die für dieses linternehmen notwendig sind, und anderseits erforderliche Kapitalien in die Kassen der Betriebsgesellschaften einzuzahlen." — Die Ausdrucks weise ist auch im französischen Texte so unbestimmt, daß ich mich in acht nehmen muß, in meiner Übersetzung nicht präziser zu sein als der Text, deshalb sage ich das auch in so verschwommenen Ausdrücken, wie es im Französischen gesagt ist. „Was die Überzeugung der Mitglieder unserer Organisation betrifft, so setzen sich diese einerseits aus überzeugten Assimilierten zusammen, die politisch der Nationalität ihres Vaterlandes angehören, anderseits, aus Orthodoxen. Die einen und die andern finden sich durchaus nicht in Übereinstimmung mit dein Gedanken des politischen Zionismus seit dem Beginn dieser Bewegung". (Pfuirufe). „Hier haben Sie die Gegenden der Türkei, die uns die geeigneten für unsere Kolonisation scheinen: Mesopotamien, Anatolien, Syrien und Palästina." „Der Gedanke einer verständigen Verteilung der israelitischen Bevölkerung scheint uns derartig bedeutungsvoll, daß wir die feste Absicht haben, indem wir das Morgenland als neues Einwanclerungsgebiet für die Israeliten wählen, die Bewegung über die Grenzen der Türkei selbst hinauszuleiten." „Die ottomanische Regierung wird die Entwicklung des israelitischen Elements in aller Ruhe verfolgen können. Dieses Element wird ihr niemals politische Verwicklungen verursachen. Die von der Türkei aufgenommenen Israeliten werden niemals politische Sorgen haben. Ihre einzige Sorge wird die Entwicklung einer machtvollen und unabhängigen Türkei sein." Und nun noch eine Stelle: „Die türkische Presse hat sich in den letzten Monaten mit der Frage der jüdischen Einwanderimg aus dem Gesichtspunkte der zionistischen Tendenzen beschäftigt, und der Gedanke einer Ansiecllung,