Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 222)
- Language
- German, English, Hebrew
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IV. TAG Mittwoch, 29. Dezember 1909 NACHMITTAGS-SITZUNG BEGINN: 3 UHR Präsident Dr. Nordan: Die Sitzung ist eröffnet. Die Spenden für die Siedllingsgenossenschaft fahren fort, uns in erfreulicher Weise zuzuströmen. Frau Stavenhagen in Haniburg spendet 100 Mark für die Siedlungsgenossenschaft und 100 Mark für die Hamburger Stipendienstiftung. (Beifall.) Herr Präsident Wolffsohn hat das Wort zu einer sachlichen Mitteilung. Präsident Wolffsohn (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Geehrter Kongreß! Wir haben in der heutigen Vormittagssitzung eine Erklärung der Aiko, der allgemeinen jüdischen Kolonisationsorganisation, gehört. Ich werde die Erklärung noch einmal verlesen (liest): „Die Leitung der Aiko legt Gewicht darauf, festzustellen, daß die von Herrn David Wolffsohn vorgebrachte, die Aiko betreffende Behauptung auf unrichtigen Informationen beruht und den Tatsachen nicht entspricht". Der Brief ist unterschrieben von dem Geschäftsführer der Aiko Herrn Dr. Alfred Nossig und von dem Vorsitzenden Herrn Dr. Ginsberg. Geehrter Kongreß! Ich habe es mit der größten Absicht und Vorsicht immer vermieden, jüdische Organisationen anzugreifen. Ich habe, wie Sie mir alle bezeugen werden, in meiner Eröffnungsrede mit der größten Ruhe und mit der größten Würde die jüdischen Organisationen berührt, die uns schwer angreifen. Erst in meiner Hede am Montag, als die Rede von den großen Ideen war, die in den Zionismus hineingetragen werden, habe ich davon gesprochen, daß ich davon genug habe. Ich nannte in diesem Zusammenhang die Namen Zangwill und Nossig. Ich habe diese Namen deswegen genannt und glaubte dazu berechtigt zu sein, weil die beiden Herren zu uns gehörten und Delegierte unserer Kongresse waren und Herr Dr. Nossig bis vor wenigen Monaten auch dem A. C. angehört hat. Deshalb glaubte ich berechtigt zu sein, diese Herren einer Kritik zu unterziehen, und ich sprach davon, daß man den Zionismus beschimpft und verleumdet. Herr Dr. Nossig war wochenlang in Konstantinopel. Ich hätte darüber weiter nicht gesprochen. Nachdem aber Herr Dr. Nossig bzw. die Aiko gewagt hat, diese Erklärung hier abzugeben, daß meine Behauptungen auf unrichtigen Informationen beruhen und den Tatsachen nicht entsprechen, bin ich dazu gezwungen, zu sagen, was ich darüber weiß. Ich weiß ganz genau, was Herr Dr. Nossig in Konstantinopel getan hat, und ich weiß, was er dort gesprochen hat. Da ich aber, wie Sie begreifen werden, die dokumentarischen Beweise dafür nicht haben kann, werde ich darüber nicht sprechen,* was aber Herr Dr. Nossig mit seiner Unterschrift gegeben hat, was er selbst nicht mehr ableugnen kann, sollen Sie hören, und Sie sollen dann selbst beurteilen, ob meine Behauptungen unrichtig waren oder nicht. Ich werde aus einem Expose, das er bei allen maßgebenden Stellen in Konstantinopel eingereicht hat, einige Sätze, die den Zionismus betreffen, verlesen lassen. Da dieses Expose