Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 218)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 218 — Aber beschränken wir uns nicht darauf, das edle Gefühl zu preisen, das sie zu dieser Großtat anregt. Indem wir sie bewundern, wollen wir ihrem prächtigen Beispiel, ein jeder nach seinen Mitteln, folgen. Gibt's denn übrigens eine bessere Art der Bewunderung, als eine nützliche Nachahmung? — Um ähnliches zu schaffen, ist es durchaus nicht nötig, daß wir über solche enormen Mittel verfügen können. Indem wir regelmäßig für die Ölbaumspende, über deren Stand Herr Prof. Warburg uns einen erfreulichen Bericht erstattet hat, beisteuern werden, bereiten wir en miniature für die Zukunft dasselbe vor, was die großen Philanthropen für die Gegenwart leisten. Wenn diese Stiftung über 4—5 Millionen verfügen wird, — das wird wohl nicht vor Ablauf von ungefähr 20 Jahren der Fall sein, —. aber was bedeuten 20 Jahre im Leben unseres Volkes? — und wenn sie 500 000 Frs. Einkünfte haben wird, so wird auch unser Lieblingstraum von der Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem verwirklicht werden können. Wir werden unser Selbstbewußtsein wiedergewinnen und unsere moralische Befreiung als nationale Gruppe anbahnen. Das ist die Vorbedingung für die Erreichung unseres Ideals. Man spreche nicht von unüberwindlichen Schwierigkeiten. Was reiche Leute überall machen können, was zwei christliche Gesellschaften in Beirut vermocht haben, das wird das jüdische Volk sicherlich in unserm teuren, unvergeßlichen Zion vermögen. Eine jüdische Universität in Jerusalem, die für das Ansehen des allgemeinen Judentums so wichtig ist, würde ganz besonders zur Entwicklung der ottomanischen Juden beitragen, und daher wünschen diese noch eifriger und sehnlicher als alle andern eine schleunige Verwirklichung dieser schönen und großen Idee. Indem wir dem glücklichen Tage entgegensehen, wo wir Ärzte, Apotheker, Ingenieure, Advokaten und Agronomen haben werden, die in Palästina in unserer zukünftigen Universität ihre Studien absolviert haben, müssen wir noch ernstlieh die Frage der Ausbildung unserer Rabbiner erwägen. Es ist dies eine sehr verwickelte und schwierige Frage. — Die Ausbildung der Rabbiner ist ein Gegenstand von hochwichtiger Bedeutung. Auf dem Gebiete der geistigen, moralischen und sozialen Entwicklung der Juden der Türkei werden die Rabbiner zweifellos eine bedeutende Rolle spielen. Wie überall, so sind auch im Orient die religiösen Studien in letzter Zeit einer großen Vernachlässigung anheimgefallen. Es wird immer schwieriger, für die vakanten Posten wahrhaft tüchtige Rabbinatskandidaten ausfindig zu .machen. Der Versuch, den die Alliance in Konstantinopel gemacht hat, um diesem Übel abzuhelfen und den Mangel zu ersetzen, kann als vollständig gescheitert betrachtet werden. Trotz der wissenschaftlichen Tüchtigkeit und den hingebungsvollen Bemühungen des Gelehrten Abraham Danon hat das Rabbinerseminar, das seiner Leitung anvertraut worden