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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 219

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 219 (sequence 219)
Language
German, English, Hebrew
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— 219 — ist, keine nennenswerten Resultate ergeben. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich diesen Mißerfolg der schlechten Wahl des Ortes zuschreibe. Konstantinopel ist nicht der Ort, wo ein jüdisches Seminar schon jetzt sich gedeihlich entwickeln könnte. Ein wohlorganisiertes Rabbinerseminar, eine echte theologische Akademie ist uns unumgänglich nötig, nicht nur für unsere Hebung, sondern auch für eine richtige Pflege unseres Privatlebens. Sind wir ja ebenso zahlreich wie die deutsch.en Juden, die drei große Seminare und mehrere Zentren religiöser Studien zweiten Ranges besitzen, während bei uns die alten Anstalten dieser Art, die fast o-ar keine praktischen Resultate ergeben, auf dem x^ussterbeetat stehen, ohne neuen Institutionen den Platz zu räumen. Ich möchte in aller Kürze eine höhere religiöse Unterrichtsanstalt in dem am besten dafür geeigneten Orte gegründet sehen, d. h. in Palästina, von zahlreichen Studierenden, die sich für das Rabbineramt vorbereiten, besucht, damit wir das Recht haben, das alte Prophetenwort ertönen zu lassen: Denn aus Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes aus Jerusalem. Als sechsten Programmpunkt in der Reihenfolge der für unsere Hebung notwendigen Arbeiten betrachte. ich die Schaffung von Volksbanken, Sparkassen, Arbeiterhäusern, Konsumvereinen und Anstalten aller Art, die der gegenseitigen Hilfe und der sozialen Fürsorge gewidmet sind. Ich muß feststellen, daß auch in dieser wie in jeder andern Hinsicht wir im großen und ganzen nicht nur im Vergleich mit unsern Stammesgenossen fortgeschrittener Länder, sondern auch im Vergleich mit den Nichtjuden unseres Landes, weit nachstehen. Wir müssen hier Wandel schaffen. Wir müssen uns aufraffen, um auf den ersten Plan sozialer Tätigkeit in allem, was den menschlichen Fortschritt betrifft, vorzudringen. Das beste Mittel welches uns als Handhabe dienen könnte, ist meines Erachtens die Ausbreitung der zwei jüdischen Ranken, der Anglo Palest ine Company und der Anglo Levantine Rank. Das Kapital dieser Ranken müßte bedeutend erhöht werden, damit sie in den Stand gesetzt werden, Filialen in allen bedeutenden Städten der Levante zu eröffnen, so daß man in der Geschäftswelt mit ihnen rechnen müßte. Man braucht kein Finanzgenie zu sein, um zu begreifen, daß jeder merkliche Fortschritt in den Geschäften beider obenerwähnten Ranken notwendigerweise einen wohltätigen Einfluß auf die soziale Lage der türkischen Juden ausüben wird. Ich versteige mich nicht zu der Rehauptung, daß unsere soziale Entwicklung von dem Erfolg dieser beiden Ranken abhänge, aber ich kann ohne Übertreibung meine Ansicht dahin äußern, daß unser Fortschritt viel rascher vor sich gehen würde, wenn diese Ranken anstatt, wie jetzt über 100000 bis 150000£, über 500000 bis 600000 £ verfügen würden.

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