Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 216)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Aleppo 1× ep/1047811
- İzmir 1× ep/2781386
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— 216 — schreiten, denn wir dürfen nicht vergessen, daß unsere intellektuelle und moralische Entwicklung hauptsächlich von guten Schulen abhängig ist. Wir zollen alle Achtung den Gründern, Stiftern und Mitgliedern der Alliance, deren Erfolg wir hier anerkennen, — doch können wir nicht umhin, ihre gegenwärtige Administration zu tadeln, sofern sie in ihren Irrtümern beharrt/ den Unterricht in der türkischen Sprache jetzt wie auch in frühern Zeiten, vernachlässigt und der jungen jüdischen Generation im Orient die Hebräische Sprache nicht beibringt. Wir werden immer dasselbe wiederholen und hoffen, daß unsere Stimme vernommen wird. Sollen wir auf die Notwendigkeit der Gründung neuer Schulen bestehen? Sowohl in Konstantinopel als auch in Saloniki, Smyrna, Adrianopel, Damaskus, Aleppo, Bagdad usw. ist das Schulwesen noch sehr unvollkommen, nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ. Bei dieser Gelegenheit will ich auf die Notwendigkeit der Herausgabe eines Jahrbuchs der ottomanischen Juden noch einmal zurückkommen. Ein Jahrbuch könnte auch in diesem Falle Aufschluß geben einerseits über die Zahl der jüdischen Kinder im Schulalter, die in den Straßen herumlaufen, anderseits über die Zahl der Kinder in den Ordensschulen, Missionsschulen und vielen andern Schulanstalten, die allem, was den jüdischen Stempel trägt, feindlich gegenüberstehen. Diese jüdischen Kinder, die ich als für das Judentum verloren betrachte, zählen leider zu tausenden. Wir wollen nicht verhehlen, daß es keine leichte Aufgabe ist, alle diese durch unsere Schuld verirrten Schäflein zu ihrer Herde zurückzubringen. Auf alle Fälle ist es notwendig, daß alle unsere Schulen, sowohl die Talmud-Thoras wie auch die Unterrichtsanstalten, die von der Alliance, dem Hilfsverein der Deutschen Juden, den Gemeinden oder von andern Organisationen begründet worden sind oder werden sollen, einen tüchtigen hebräischen Unterricht pflegen und sich mit Bezug auf den türkischen Unterricht an das offizielle Programm der Regierungsschulen anpassen. Das kann uns nur zum Nutzen gereichen. Der Elementarunterricht, den wir unsern Kindern in unsern eigenen Schulen angedeihen lassen, vermag es nicht und wird es nie vermögen, sie erfolgreich für den Kampf ums Dasein auszurüsten. Um einen wirklichen Fortschritt zu erzielen, ist es notwendig, dem Bedürfnis nach einem Mittel- und höhern Unterricht Rechnung zu tragen. Diesen Unterricht kann man nur in den Staatsschulen genießen, die jedoch dem größten Teil unserer Jugend infolge ihrer vollständigen Unkenntnis des Türkischen verschlossen sind, und die erst dann für sie zugänglich sein werden, wenn der Unterricht der türkischen Sprache in unsern Schulen einen ihm gebührenden Platz einnehmen wird.