Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 214

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 214 (sequence 214)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3244-3479385
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 214 — des Reichs gemeint. Das statistische Material über die jüdische Bevölkerung, ihre Gruppierung und ihre Institutionen in allen ottomanischen Provinzen, Distrikten und sogar in den bedeutendsten Städten ist ganz mangelhaft. Eine Ausnahme bildet Palästina, das genaue Kenntnissse über sich selbst besitzt und der ganzen Welt bekannt ist durch die Reiseführer und Jahrbücher. Solange sich die türkischen Juden ihrer Vorzüge und ihrer Schwächen unbewußt sind, sind sie nicht in der Lage, für ihre ernste Entwicklung mit Erfolg arbeiten zu können; solange sie keine Jahrbücher, die einem treuen Spiegel gleich ihr Antlitz wiedergeben, besitzen, vermögen sie nicht an ihrer eigenen Aufrichtung zu arbeiten, und das türkische Judentum bleibt nur ein leeres Wort. Ein solches Jahrbuch kann selbstverständlich nicht als Resultat einer privaten Initiative erscheinen. Es erfordert viel Arbeit und ununterbrochene Bemühungen und Opfer aller Art. Aber. dieser Aufwand von Mühe und Opfer könnte keine bessere Verwendung finden, denn ein Jahrbuch würde das erste Band um die großen und kleinen Gemeinden, die gegenwärtig ein wahres Chaos darstellen, schlingen; es würde der erste Schritt sein auf dem Wege des Wiedererwachens; es würde in gewissem Sinne unser Inventarbuch sein; es würde die traurige Tatsache anschaulich machen, daß das sogenannte Volk des Buches bislang noch jeder Literatur bar ist. Mit Ausnahme von zwei oder drei Zentren und von Palästina, wo fast jedes Städtchen, ja sogar jedes jüdische Dorf über eine gut eingerichtete Bibliothek verfügt, fehlen die jüdischen und hebräischen Bücher in dem größten Teil unserer Gemeinden völlig. Die intellektuelle und moralische Entwicklung, die wir erstreben, ist wesentlich von unserer Lektüre abhängig. Diese Entwicklung wird langsam und mühevoll vorwärts schreiten können, solange wir kein ernstes, mit Mitteln ausgestattetes Werk schaffen, das die Gründung der jüdischen Bibliotheken an den Orten, wo sie noch nicht vorhanden sind, also fast überall, fördern würde. Die Gründung eines solchen Werkes ist für uns unentbehrlich; es erfordert keine großen Opfer ein verhältnismäßig kleiner Fonds, der ohne allzu große Mühe zusammengebracht werden könnte, und eine Anzahl gesinnungstüchtiger Leute, die bereit wären, einen Teil ihrer Muße der Sache zu widmen, würden genügen, um diese Idee zu verwirklichen. Noch vor der Ausführung dieses Planes müßte diese Gruppe der tüchtigen Arbeiter wissenschaftliche Gesellschaften und Bibliotheken durch Erteilung von Vorschüssen aus dem ersten Fonds gründen. Selbstverständlich sollen diese Bibliotheken ohne jede Tendenz eingerichtet werden, um zwischen den verschiedenen jüdischen Elementen das beste Vereinigungsmittel bilden zu können. Bei einer tüchtigen Arbeit könnten sich die jüdischen Bibliotheken im Laufe von einigen Jahren wie ein großes Netz über das ausgedehnte ottomanische Reich bis in seine entferntesten Schlupf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.