Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 213)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 213 — zur Arbeit an der nationalen Wiedergeburt, die von dem tapfern, unvergeßlichen Herzl begonnen und von seinen Schülern und Euch allen fortgesetzt wurde. Meine Damen und Herren! Die kraftvolle Eröffnungsrede des Herrn Wolffsohn hat uns, als ottomanische Bürger, besonders interessiert. Seine klare und präzise Erklärung über die Identität der ottomanischen Interessen mit den zionistischen Aspirationen hat uns tief befriedigt. Mit einer begreiflichen Ungeduld harrten wir dieser Erklärung, und sind glücklich, konstatieren zu können, daß Sie durch den enthusiastischen Beifall ihre Bedeutung noch erhöht haben. In demselben Sinne fühlten wir uns vollständig beruhigt durch die schwungvolle Rede des Herrn Dr. Nordau. Seine formelle, kategorische Versicherung, daß der Zionismus weder jetzt noch jemals die Absicht hegte, die Integrität des ottomanischen Reiches irgendwie anzutasten, wird mehrere unserer Gegner vollständig entwaffnen müssen; war es ja dieses schöne Land, das unsern Vorfahren, die vor der Inquisition flohen, seine Pforten öffnete, und uns, w^eil wir fleißige, kluge und treue Arbeiter waren, stets wie seine eigenen lieben Kinder behandelte. Die unbestreitbare Autorität unseres Präsidenten ist uns eine kostbare Stütze. Seit IT Monaten, seit der merkwürdigen friedlichen Revolution, die die ganze Situation im Orient vollständig änderte, betonen wir fortwährend, daß die Freiheiten, die der Zionismus für seine Anhänger, die in Palästina als ottomanische Bürger sich niederlassen wollen, erstrebt, in allen Teilen der Türkei durch die Konstitution gewährleistet sind und sein werden. Diese unsere Überzeugung, die uns in der zionistischen Arbeit geleitet hatte, wurde durch die Rede des Herrn Dr. Nordau noch mehr verstärkt. Meine Damen und Herren! Das Thema meiner Ausführungen, die ich die Ehre und das Vergnügen habe, Ihnen vorzulegen, lautet: Unsere Aufgaben zur Förderung der intellektuellen, moralischen und sozialen Entwicklung der türkischen Juden. Sie begreifen wohl, daß hier von einer praktischen Arbeit, von einem realisierbaren Plan die Rede ist; es handelt sich um Vorschläge, die zwar einer ernsten Untersuchung noch nicht unterzogen worden sind, doch genug Vorteile aufweisen, um approbiert zu werden. Diese für unsere Entwicklung notwendige Arbeit zerfällt in sieben Teile, die eng zusammenhängen und einander ergänzen. Zunächst ist es unumgänglich notwendig, daß sowohl wir selbst als auch Sie unsern Zustand kennen lernen. Alles, was uns anbetrifft, ist uns bis auf den heutigen Tag völlig unbekannt; selbst unsere Zahl kennen wir nicht; die einen schätzen sie auf 400 000, die andern auf 600000. Niemand weiß genau Bescheid über die Zahl und Bedeutung der jüdischen Gemeinden des ottomanischen Reichs. Damit sind nicht nur Temen. Kurdistan, Mesopotamien oder andere entferntere Teile